Gehört Schaffhausen zur Schweiz?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Schaffhausen – hier mit Wahrzeichen: dem Munot – ist ein Kanton der Schweiz. Wie lange noch? (Foto: Melanie Duchene, Keystone)

Schaffhausen – hier mit Wahrzeichen: dem Munot – ist ein Kanton der Schweiz. Wie lange noch? (Foto: Melanie Duchene, Keystone)

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Himmelherrgott, Donner und Doria! Welche Durchgeknallten geben bei Google solche Fragen ein – wie die oben stehende, ob Schaffhausen zur Schweiz gehört? Haben sich die amerikanischen Zweit-Weltkrieg-Piloten Nacht für Nacht an den Computer gekämpft, um zu überprüfen, ob sie wirklich irrten, als sie am 1. April 1944 Bomben über Schaffhausen abwarfen? Ja, so war es: 40 Menschen starben damals. Und seither müssten doch allen wissen: Schaffhausen gehört zur Schweiz, darf nicht ausgebombt werden.

Trotz Bombenverbot googeln noch heute so viele nach der Zugehörigkeit meines Wohnkantons, dass diese Frage von der kalifornischen Datenkrake als Vorschlag angeboten wird. Und dies, obwohl auch ein Teil Basels nördlich des Rheins liegt. Nun gut, Schaffhausen hat sich tatsächlich einiges zu schulden kommen lassen, was einen sofortigen Ausschluss aus der Schweiz rechtfertigen würde.

Gestern berichtete die SRF-Sendung «Espresso», dass ein Buskontrolleur der Schaffhauser Verkehrsbetriebe einer fünfjährigen Jara eine Busse in Höhe von 100 Stutz verpasst hat, weil diese in Begleitung ihrer 10-jährigen Schwester ohne ein Billett unterwegs war. Wäre Jaras Schwester zwei Jahre älter gewesen, hätte sie straflos Bus fahren dürfen. Aber so wurde der Fünfjährigen – nach kulantem Entgegenkommen der Verkehrsbetriebe – eine Busse in Höhe von 50 Franken aufgebrummt. Zudem musste sie die Richtigkeit der Angaben auf dem Bussbeleg bestätigen. Mit Unterschrift. Als Kindergärtlerin.

Grausame Verkehrsbetriebe, grausamer Dialekt!

Grausam! Wie der Dialekt: Während meines Linguistik-Studiums wurde ein Dozent nicht müde zu wiederholen, dass der Schaffhauser Dialekt der hässlichste der Schweiz sei. Als Beleg dafür führte er Dieter Wiesmann an, der mit einem Radioauftritt in der Schaffhauser Mundart die halbe Schweiz gegen sich aufgebracht haben muss. Bei Dieter Wiesmann handelt es sich um einen singenden Apotheker, der von fern (wirklich sehr fern) an Mani Matter erinnert. Und der mit «Blos e chliini Stadt» so etwas wie die Schaffhauser Hymne gedichtet und eingesungen hat. Das Insistieren des besagten Uni-Dozenten verführte mich in langen Seminarstunden, die gefühlt wirklich extrem lang sein können, zur Überlegung, ob wir Dieter Wiesmann – Autor von solchen Kinderliederhits wie «De Plitsch und de Platsch» – vielleicht einem Spin-Doctor aus dem Bereich der psychologischen Kriegsführung zu verdanken haben? Selten so gedacht.

Und als wir schon dachten, wir hätten alle Schauerlichkeiten aus dem Abu Ghraib der Schweiz bereits erfahren, schneite heute – mitten im Sommer! – noch die Nachricht rein, dass bei Beat Breus Zirkus, der gerade in Schaffhausen gastiert, eine Razzia durchgeführt wurde: Über Stunden hätten die Eidgenössische Zollverwaltung, die Schaffhauser Polizei und das kantonale Arbeitsinspektorat den Zirkus kontrolliert. Womit die Zukunft von Breus Zirkus auf dem Spiel steht. «Ja, seid Ihr denn komplett verrückt????», werden jetzt selbst besonnene Zeitgenossen, alle Yogis und sonstigen Meditationscracks dieser Welt keifen, «Ihr könnt doch nicht den letzten Traum eines Profi-Träumers wie Beat Breu zerstören!»

Ich sehe es jedenfalls immer klarer: Die Frage ist nicht, ob Schaffhausen zur Schweiz gehört. Sondern: Wie lange noch? Was mit dem Kanton nach dem Ausschluss aus der Schweiz geschieht, ist noch unklar. Umwandlung in ein Naturschutzgebiet, weil Schaffhausen an einigen Stellen landschaftlich wirklich sehr schön ist, etwa auf den waldigen Höhen des Randen? Aus der pittoresken Altstadt ein Parkplatz für Schweizer Shoppingtouristen, die im angrenzenden Jestetten das Mödeli Butter fünf Prozent günstiger als in der Schweiz kaufen wollen? Aus den Schaffhauser Verkehrsbetrieben eine Geisterbahn, in der sich Kindergärtlerinnen Bussen verpassen lassen können? Und sollen wir das Rheinufer in ein Kifferparadies für Gymnasiasten umfunktionieren? Ah, das ist es ja heute schon. Insofern darf alles bleiben, wie es ist. Nur die Frage zu Dieter Wiesmann muss schonungslos aufgeklärt werden. Und wir fordern Freiheit für Jara und Beat Breu. Und zwar subito!

Erstellt: 16.08.2019, 14:56 Uhr

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