Zum Hauptinhalt springen

Geht nach Hause zu euren Familien!

Beim Job immer anwesend sein, das geht gar nicht – selbst für Manager nicht. Die neue deutsche Arbeitsministerin, Andrea Nahles, verlangt zum Anfang ein Ende.

Wird in den Betrieben stärker teamorientiert gearbeitet, glaubt sie, kann man einander sogar in Spitzenjobs vertreten: Die neue deutsche Arbeitsministerin Andrea Nahles (hier an einer Parteiveranstaltung ihrer SPD).
Wird in den Betrieben stärker teamorientiert gearbeitet, glaubt sie, kann man einander sogar in Spitzenjobs vertreten: Die neue deutsche Arbeitsministerin Andrea Nahles (hier an einer Parteiveranstaltung ihrer SPD).
Keystone

«Kinder brauchen auch Zeit», sagt Nahles der «Bild»-Zeitung, «mit dem Anwesenheitswahn muss Schluss sein». Vor kurzem wurde Andrea Nahles in der Grossen Koalition installiert, gerade hat sie ihr Amt angetreten, schon produziert sie Schlagzeilen. Der Anwesenheitswahn, ihr Kombinationswort, geht durch die deutschen Medien.

Damit Schluss gemacht werden kann, verlangt die Sozialdemokratin eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen: «Wir müssen Vollzeit neu definieren.» Wird in den Betrieben stärker teamorientiert gearbeitet, glaubt sie, kann man einander sogar in Spitzenjobs vertreten.

Nahles hat ihre eigene Forderung nicht realisieren können. Als die 43-Jährige noch als Generalsekretärin für die SPD arbeitete und vor zwei Jahren eine Tochter gebar, kehrte sie schon zwei Monate später ins Büro zurück. Dass sie als Ministerin mehr Zeit für ihre Familie haben wird, glaubt sie wohl selber nicht.

Trotzdem gäbe man ihr gerne recht. Erstens garantiert Anwesenheit noch keine Präsenz, wer nur teilnimmt, kann genauso gut wegbleiben. Zweitens würden sich nicht nur die Faulen freuen, wenn sie so arbeiten könnten, wie die Neue es gerne hätte. Sowohl die Angestellten als auch ihre Chefs könnten zu ihren Frauen, Männern oder Kindern heim, wenn sie sollten, weil alle fliessend teamorientiert füreinander arbeiteten.

Man müsste sich also freuen, wenn die Arbeitsministerin einer so kompetitiven Wirtschaft wie der deutschen selbst Spitzenleuten empfiehlt, mehr Zeit zu Hause zu verbringen, wenn das für ihre Familie nötig ist. Das Problem an der Forderung ist auch nicht das Verlangte, sondern das Übergangene. Nicht der Anwesenheitswahn macht den Leuten am meisten zu schaffen, sondern der Erreichbarkeitsstress. Immer das Handy an und den Laptop auf. Dauernd Nachrichten abhören, Mails lesen, SMS beantworten. Freitagnacht, Samstagmittag, Sonntagabend, Montagmorgen.

Wer immer erreichbar ist, weil er muss, wird niemals anwesend sein, wenn er will.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch