Geschmacksentgleisung am Fuss

Birkenstock in allen Varianten, Adiletten und jetzt auch noch Plastiksandalen: einfach nur hässlich.

An diesen Sandalen schieden sich schon immer die Geister. Foto: PD

An diesen Sandalen schieden sich schon immer die Geister. Foto: PD

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Der Sommer in der Stadt ist eine schuhmodische Katastrophe. Das Elend fing schon vor Jahrzehnten an, mit diesen loddeligen Pauschaltouristen-Latschen namens Flip-Flops, deren Träger jeweils unappetitlich schwarze Fusssohlen haben, weil sie dauernd halb daneben treten. Ab da ging es ästhetisch kontinuierlich bergab. Zu den Flip-Flops gesellten sich die unsäglichen Crocs, die Unschuhe schlechthin. Es tauchten immer mehr Ballermann-Adiletten und Trekking-Sandalen in urbanen Gegenden auf, und als wäre das nicht schon Zumutung genug, breitet sich seit ein paar Jahren eine regelrechte Birkenstock-Plage aus.

In dieser Saison ist es besonders schlimm. Der deutsche Gesundheitstreter ist definitiv zum ultimativen Modeaccessoire mutiert – mit dem lustigen Nebeneffekt, dass 99 Prozent der Städter jetzt aussehen, als hätten sie Problemfüsse. Da hilft es auch nicht, die Birkenstöcke mit einem besonders schicken Sommerkleid zu kombinieren, wie das jetzt 99 Prozent der Frauen versuchen. Die Eleganz oben färbt nun mal nicht automatisch auf die Spital-Schlappen unten ab. Dort bleibts orthopädisch, spiessig, unsexy.

Modeheftli-Leserinnen und -Leser werden jetzt aufschreien: Das nennt sich Stilbruch und ist total angesagt! Schön, aber hässlich ist hässlich, auch als Kontrast. Und nein, es macht den Look nicht weniger wüst, nur weil die klobigen Birkenstock-Riemen jetzt penetrant goldig oder silbrig glänzen. Doch damit nicht genug: Während man sich noch fragt, wie man den Anblick bis Ende Sommer aushalten soll, hat die Modebranche schon die nächste Geschmacksverirrung zum Trend erklärt: Plastiksandalen, die man eigentlich nur zum Baden an einem Kieselstrand trägt. Als Kind wollte man sie partout nicht anziehen, weil man damit komplett bescheuert aussah. Daran wird sich, liebe Fashion Victims, auch künftig nichts ändern.



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Erstellt: 28.07.2019, 19:41 Uhr

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