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Ge­sun­der Selbst­be­trug

Positives Denken hilft der Gesundheit. Das gilt auch für das Essen: Wer meint, viele Kalorien zu sich zu nehmen, fühlt sich satt.

620 oder 140 Kalorien pro Milchshake? Die Information beeinflusst das Sättigungsgefühl. Foto: Moment RF, Getty Images
620 oder 140 Kalorien pro Milchshake? Die Information beeinflusst das Sättigungsgefühl. Foto: Moment RF, Getty Images

Ma­trat­zen hoch­wuch­ten, Bet­ten ma­chen, im Bad in je­de Ecke krie­chen: Reinigungskräfte müs­sen sich ziem­lich an­stren­gen, um Ho­tel­zim­mer in Ord­nung zu brin­gen. Doch obwohl sie die me­di­zi­ni­schen Emp­feh­lun­gen für re­gel­mä­ssi­ge Be­we­gung lo­cker er­fül­len, ha­ben vie­le das Ge­fühl, kör­per­lich in­ak­tiv zu sein.

Das än­der­te sich bei ei­ni­gen Putz­frau­en, als Psy­cho­lo­gin­nen der US-Uni­ver­si­tät Harvard ih­nen für ein Ex­pe­ri­ment er­klär­ten, dass ihr ak­ti­ver Be­rufs­all­tag durch­aus gesund sei. Fort­an fühl­ten die Rei­ni­gungs­kräf­te sich im Ver­gleich zu Kol­le­gin­nen besser, nahmen an Ge­wicht ab, und ihr Blut­druck nor­ma­li­sier­te sich.

Klar, das Le­ben ist haupt­säch­lich Kopf­sa­che – und wo­zu der Kör­per in der La­ge ist, eher ei­ne Fra­ge des so­ge­nann­ten Mind­sets als der Mus­keln. Wie stark sich die Selbstwahrneh­mung auf hand­fes­te phy­sio­lo­gi­sche Mess­wer­te aus­wirkt, wur­de vie­len Ärz­ten und Psy­cho­lo­gen je­doch erst klar, nach­dem der er­wähn­te Har­vard-Ver­such vor mehr als zehn Jah­ren pu­bli­ziert wor­den war. «Das pas­sen­de Selbst­bild be­ein­flusst die Gesundheit po­si­tiv», so die Fol­ge­rung der Psy­cho­lo­gin­nen.

Den Geist überlisten

An trü­ben No­vem­ber­ta­gen, an de­nen sich die Lau­ne al­len­falls auf Hö­he des Bodennebels er­hebt und Neu­jahrs­vor­sät­ze schei­tern, noch be­vor sie for­mu­liert wor­den sind, lohnt der Griff in den Ers­te-Hil­fe-Kas­ten des sanf­ten Selbst­be­trugs. War­um al­so nicht den trä­gen Kör­per mit ei­nem ent­spre­chend prä­pa­rier­ten Geist über­lis­ten?

Wer sich für ak­tiv hält, lebt län­ger, auch wenn dies nicht dem tat­säch­li­chen Ausmass an Bewe­gung ent­spricht.

Ei­ne der Har­vard-For­sche­rin­nen hat, nach­dem sie an die Uni­ver­si­tät Yale ge­wech­selt war, ge­zeigt, wie leicht sich der Mensch und sei­ne Hor­mo­ne in die Ir­re füh­ren las­sen. In ei­nem Ver­such er­hiel­ten Frei­wil­li­ge ei­nen Milchs­hake mit 380 Ka­lo­ri­en. Der Hälf­te der Teil­neh­mer wur­de ge­sagt, dass sie ein 620-Ka­lo­ri­en-Ge­tränk zu sich neh­men wür­den, der an­de­ren Hälf­te, dass es sich um ei­nen Diät­drink mit ge­ra­de mal 140 Ka­lo­ri­en handle. Wer die ver­meint­li­che Ka­lo­ri­en­bom­be ge­trun­ken hat­te, fühl­te sich nicht nur weniger hung­rig, son­dern das da­für zu­stän­di­ge Hor­mon Gh­re­lin zeig­te auch ei­nen deutlich hö­he­ren Sät­ti­gungs­grad an.

Als «sub­jek­ti­ve Ideo­lo­gie», Denk­­mus­ter oder Selbst­kon­zep­te be­zeich­nen So­zio­lo­gen und Psy­cho­lo­gen die­se For­men der Ei­gen­wahr­neh­mung. In Zei­ten läh­men­der Le­thar­gie kann ein po­si­ti­ves Bild von den ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten da­bei hel­fen, en­ge Vor­stel­lun­gen der ei­ge­nen Be­grenzt­heit zu er­wei­tern. For­scher be­to­nen, dass es da­bei nicht um plat­te Mo­ti­va­ti­ons­for­meln geht, son­dern um hand­fes­te Vor­tei­le für die Ge­sund­heit.

Ein positive Eigenwahrnehmung ist gesund

Erst kürz­lich ha­ben Psy­cho­lo­gen aus Stan­ford ge­zeigt, dass sich die Selbst­ein­schät­zung der ei­ge­nen Be­we­gungs­freu­de erheblich auf die Le­bens­er­war­tung aus­wirkt. Wer sich für über­durch­schnitt­lich ak­tiv hält, lebt län­ger, auch wenn dies nicht dem tat­säch­li­chen Aus­mass an Be­we­gung ent­spricht. Wer sich hin­ge­gen für we­ni­ger ak­tiv hält als sei­ne Alters­ge­nos­sen, er­höht die Wahr­schein­lich­keit um er­staun­li­che 71 Pro­zent, vor­zei­tig zu ster­ben.

Ein po­si­ti­ves Selbst­bild ist al­so we­ni­ger ein Zei­chen von Ei­tel­keit, son­dern ge­sund. «Wir soll­ten im­mer da­nach fra­gen, wie ak­tiv und ge­sund sich die Leu­te selbst se­hen», for­dern For­scher da­her. «So kön­nen wir ziel­ge­rich­tet Ri­si­ken er­ken­nen und früh hel­fen.»

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