«han dr wele a lüte aber voll verhengt»

Dank Facebook und Handy schreiben junge Menschen heute viel besser als früher. Das behauptet jedenfalls eine neue Studie. Doch stimmt das auch?

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Sind Facebook und SMS der Untergang der Kommunikationskultur? Mitnichten, sagt eine neue Studie aus Amerika. Andrea Lunsford, Forscherin an der Universität Stanford, fand heraus: Seit es das Internet gibt, schreiben die Leute mehr und besser. Man befinde sich in einer «Revolutionsphase, was die Leseund Schreibfähigkeit angeht». Die lockere Art und Weise, wie man sich mit modernen Kommunikationsmitteln unterhalte, erinnere an die klassische Argumentation der alten Griechen. Junge hätten das rhetorische Prinzip verinnerlicht, einen Text so zu formulieren, dass man die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnt: zielgerichtet und pragmatisch.

Nun wird in Studien ja allerhand behauptet und nicht selten mit frisierten Methoden belegt. Wir vertrauen da mehr der Feldforschung. Über Mittag haben wir an der Zürcher Seepromenade Jugendliche angesprochen: «Zeigt her eure SMS!» Hier das Protokoll:

aaalterr... alles roger? no guät gschaffed letscht sunntig? ey morn parat zum tschutte? cheerz calanda – Jo, voll. Wie söleds mo mache? Sölli mit em Bus uf sg, odo chunsch ad tanki? – Hooi :-) Häsch lust zum hüt obig zu mir hai cho und chli esse, grille, trinke und spili spile? Nimm doch eifach es stuck fleisch mit und bitzli öpis z’trinke! :-) – Wue brotha... Wiä laufts im chriäg!? Sinder eu dä arsch am abfrührä?!? Im Engadin ischäs übelscht chalt... – Hejj sonja danke vilmol... Hani glaub vergesse sege!! Isch supper bello gsi! Bis am mäntig! Lieb di soo <3 – Heey schnügii, am Samstig chani leider nid... ischs der glich am fritig oder hesch den en riisestress? wennd wetsch chömer au eh wuche spöter oder am sunntig... mir gaht alles ussert samstig :) Kussslii – Spaatz :) hesch du irdend e zäme fassig über Erbrecht? Wenn ja, chasch mer die bitte morn mit neh? Dankä viel mal. Chunnsch morn odr? Kussi – Hey fü de fal dasd no uf bish, mush ken zmitag mitne morn, es sei dn du hesh nöd gern mozarelasandwich guet nacht – jo du i chum glaub nümä... sory dasch ächt chli blöd gsi hüt.. mir müänd dringend mol wieder was mache aber früäner plane dänn chunt au nix däzwüschät.. :-$ i find au da wär schad.. ^^ und nomal sorry gäll, dass i do so «voarscht» han.. Küssle – Hei chash nachm training herdöpfel poste? Für gratin. Im coop am bhf, er HETT offe am sontag! Und riibchäs bitte au... Kuss – Okay, leute spontan aktion die zweite ish axeid: wer het lusht hüt abig öpis zmache? debii wäred bis etz onur, 2 kolege vo mir & meine wenigkeit, ort wer Züri & was mr genau mached xeend mr no, mir sind offe für alli vorschläg. & NEI es wird nöd chaotish & hobbylos sondern chaotisch & kool :D wer wär debii? kuss – Ah cool schatz chönder chli swetter gnüsse ab morn wirds ja scho wider kelter... – ehjj ciccio wach? wie gahts? hasch lust hüt namittag öpis z’mache? – Hey chef. Ja sry han dr wele a lüte aber voll verhengt... also mir hend am 1 juni sporttag.. wieso? Ich und matteo hend dr vorher versuecht a zlüte. En gruess vom matteo.. und wie laufts so mit ihre. gruess mauro – Mush ja nimm schriibe tzzz – Hey Hey aso am 8i bim Stadttor xD chönd ä bi mir penä.. nd jan film mitnä odr soooo. Tschüsslimitküssli andi nd rebi – hoi du!! han am 2i mit dem schoene maa abgmacht, weiss noed wie lang er bliebe chan... meld mi soscht nachher... okai... :) – Daa wetter macht mi sola gluschtig :-) vermessesame sxho und du? Wen hesch die Woche frwi? by – Was meinsch... ONE fläschä rot wi. Und ap an See? Und mir schwänzed mal zämä s’body art... – eyoo debi nochli use chille und de sunneundergang gnüsse? ;-) mier treffed eus am 20.15 am goldbrune, denn schnell id bp und denn chli is werd! nöd allzu lang eifach nochli heeenge!! schrib zrug!!! – Akakakhahahahha sheissee brattee mir sind legendeee hahaahha :D ja has uf Fb gsee hehehe ;-) ouu shit de müemer zeme montiere mit popcorn und soooo :D kakakahahhaaha – Hehe sorellina was entschuldige? Hesch scho richtig gmacht isch doch kei sach ;-) chömer gern mache abr weg dem muesch sicher keis schlechts gwüsse ha :-) liieb di sooo <3 – Ey ale chunnsh au no id Shtadt... flavio und so chömed au.. am halbi 9ni bim gtp, ok? – hey alex weis ned was mit mir isch. hesch i dene tage mal zit am abig zum rede nume mir 2 elei würmer guet tue und helfe au min Schads z verstah. piss MERCI für ales.

Die Sprache Goethes, haben uns die Jugendlichen gesagt, würden sie höchstens noch in SMS an die Eltern oder Grosseltern verwenden. Greifen sie zum Handy, zählt nur die Botschaft: «Um 20.15 Uhr bei der Tankstelle.» Klappt das Rendezvous, hat die Kommunikation funktioniert: zielgerichtet und pragmatisch. Und das ist ganz im Sinne des griechischen Philosophen Aristoteles, der früh schon erkannte:

Das Denken für sich allein bewegt nichts, sondern nur das auf einen Zweck gerichtete und praktische Denken.

Glossar: <3 (Herz), hobbylos (unmotiviert, asozial), montiere (hier: DVD schauen), gtp (Gruppentreffpunkt), piss (Peace, Verabschiedungsfloskel), vermessesame sxho (Ich vermisse es manchmal schon, das Pfadilager), heeenge (hängen, entspanntes Nichtstun).

Erstellt: 27.05.2010, 10:24 Uhr

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