Harvey Weinstein, ein Freund der Frauen

Die Beteuerung seiner Unschuld ist so wenig glaubwürdig wie sein gebrechlicher Auftritt mit dem Rollator.

Wurde seit seinem gebrechlichen Auftritt vor Gericht wieder ohne Rollator gesichtet: Harvey Weinstein erscheint zu einer Anhörung in New York. (6. Dezember 2019) Bild: Justin Lane/EPA

Wurde seit seinem gebrechlichen Auftritt vor Gericht wieder ohne Rollator gesichtet: Harvey Weinstein erscheint zu einer Anhörung in New York. (6. Dezember 2019) Bild: Justin Lane/EPA

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Der wegen Sexualdelikten angeklagte Filmproduzent Harvey Weinstein sieht sich als Vorreiter bei der Frauenförderung in Hollywood (lesen Sie dazu: Weinstein bricht sein Schweigen).

Der Mann aus Hollywood war nicht als Regisseur oder Schauspieler aktiv, nur als Produzent. Aber er scheint einiges über das Inszenieren gelernt zu haben. So wie er letzte Woche in New York vor Gericht trat, als alter, schwacher Mann, der sich an seinem Rollator entlangschleppte, der abwesend dreinschaute und einsilbig antwortete, sah er bemitleidenswert aus. Dass er auf unschuldig plädierte, ist nur konsequent.

Am Wochenende legte der gramgebeugte Mann nach. In einem Interview mit der Boulevardzeitung «New York Post» bezeichnete er sich als Förderer von Frauen. Er habe mehr Filme von Frauen mit Frauen unterstützt als jeder andere, sagte er. «Meine Arbeit ging vergessen durch all das, was passiert ist.» Damit meint er aber nicht sein Verhalten Frauen gegenüber, sondern die Berichterstattung darüber.

Zwar ist der 67-Jährige noch nicht rechtlich verurteilt, aber dass er sich an vielen Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen vergangen hat, seine Macht und ihre Abhängigkeit ausnutzend, lässt sich kaum bezweifeln. Zu häufig, zu drastisch, zu detailliert sind die Schilderungen der rund achtzig Frauen, die sich von ihm massiv belästigt fühlten oder gar von Vergewaltigung sprachen.

25 Millionen Dollar Entschädigungen

Die Recherchen über seine Machenschaften lösten die weltweite #MeToo-Bewegung aus. Seither trauen sich mehr Frauen, über sexuelle Belästigung zu twittern, zu reden und sich zur Wehr zu setzen.

Was gegen Weinsteins Unschuldsbehauptung spricht, ist die Entschädigung von 25 Millionen Dollar an über dreissig Frauen, getroffen, um sie von einer Anklage abzuhalten (lesen Sie dazu: Weinstein zahlt 25 Millionen Dollar an über 30 Frauen). Das Geld muss nicht einmal er bezahlen, dafür kommt die Versicherung seiner bankrottgegangenen Produktionsfirma auf. Einen Strafprozess muss er trotzdem gewärtigen, weil zwei Frauen an ihren Klagen festhalten.

Tage nach seinem gebrechlichen Auftritt vor Gericht wurde Harvey Weinstein beim Shoppen gesichtet. Ohne Rollator.

Erstellt: 16.12.2019, 16:41 Uhr

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