I bi z Ibiza gsi

Was woanders ein Skandal wäre, ist für die Schweizer normal.

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Olga: Herzlich willkommen in Ibiza!

Nationalrat: Grüezi.

Assistent: Grüezi.

Olga: Grüezi, so schönes Wort! Setzen Sie sich auf unsere schöne Terrasse. Wir haben Sushi für Sie.

Nationalrat: Also, ich weiss nöd... Bi därä Hitz rohe Fisch. Da hol i mir no in Spaniä e japanischi Vergiftig. Ich glaub, lieber nöd.

Olga: Was sagt er?

Assistent: Haben Sie auch eine Kartoffelsuppe? Oder Bratwurst?

Olga: Ehm... Vielleicht Sie wollen erst trinken?

Nationalrat: Gärn es Mineral ohni.

Assistent: Stilles Wasser.

Olga: Nicht lieber Wodka oder Redbull?

Nationalrat: Händ Sie es Rivella?

Olga: Wie bitte?

Assistent: Erzählen Sie uns doch, warum Sie uns eingeladen haben?

Olga: Gut. Also, aus Russland wir beobachten Ihre Arbeit viele Jahre. Wir teilen Ihre Überzeugungen. Mein Onkel immer sagt, ich soll Geld für Werte ausgeben, weil das Geld geht, aber die Werte bleiben. Ich will Ihrer Partei Spende geben. Grosse Spende.

Nationalrat: Ah, dänn gib doch dä Frau Olga en Izahligsschi für euses Spändäkonto.

Assistent: Wollen Sie einen roten oder orangen Einzahlungsschein? Oder sind Sie schon auf Online-Banking?

Olga: Aber... müssen wir die Spende nicht verschleiern?

Assistent: Nein.

Olga: Grosse Parteispenden aus dem Ausland sind erlaubt?

Assistent: In der Schweiz ja.

Olga: Aber das ist sogar in Russland verboten!

Assistent: Ach so?

Olga: Aber... mein Geld ist nicht... nicht ganz offiziell.

Assistent: In der Schweiz geht es niemanden etwas an, woher und wie viel in die Parteikassen fliesst.

Olga: Niemand kontrolliert das?

Nationalrat: Irgend es paar Linki händ «Transparenz-Initiative» lanciert, sie wänd Spändene offelägä, aber die Initiative chunnt bim Volk eh nöd dure.

Olga: Na gut dann... ehm... wollen Sie jetzt Drink?

Nationalrat: Milch-Drink?

Olga: Machen wir weiter. Nicht nur einfach spenden will ich. Ich will unsere Werte ausbreiten in Schweiz. Aus Russland wir wissen, dass es am besten geht über Ankauf von Medien...

Assistent: Da sind wir bereits gut unterwegs. «Weltwoche» haben wir. «Basler Zeitung» hatten wir. Die NZZ ist uns im letzten Moment durch die Latten, aber wir bleiben dran. Jetzt setzen wir auf regionale Gratiszeitungen. Wenn Ihnen die «Toggenburger Zeitung» etwas sagt...

Olga: Oh wow, ich wusste nicht, dass Schweiz ist ähnlich wie Russland! Wissen die Leute davon?

Assistent: Inzwischen schon.

Nationalrat: Chunnt jetzt eigentlich diä Herdöpfelsuppä?

Olga: Und die anderen Zeitungen?

Nationalrat: I dä Mediälandschaft gits gnueg Journis, wo immer mal gärn euses Spiel spielet. Und überhaupt, was sölls, mir händ gnueg eiges Geld.

Assistent: Am Geld liegt es nicht.

Olga: Ach so... ehm...

Nationalrat: Du, diä luegt mich di ganz Ziit so ufreizend a.

Assistent: Du gfallsch ihre äbe.

Nationalrat: Das glaubsch doch selber nöd! Ehrewort.

Olga: Wie bitte?

Assistent: Er sagt, Ehrenwort, am Geld liegt es nicht.

Olga: Gut. Eine Sache ich will noch besprechen. Ich könnte 250 Millionen in Schweiz investieren, wenn meine Baufirma bekommt Aufträge.

Nationalrat: Nei, also, wänn möglich tü mir so Ufträg a eusi Lüt vergäh.

Assistent: Sorry, Switzerland first. Jetzt müssen wir aber los, wir machen noch eine Velotour. Merci für das Mineralwasser. Uf Wiederluege.

Nationalrat: Ade.

Die Schweizer gehen.

Olga: Mist. Das Video ist völlig unbrauchbar. Schwarzgeld, dubiose Spenden, Medien kaufen: Was woanders ein Skandal wäre, ist für die Schweizer normal. Versuchen wir es jetzt mit den Österreichern!

Erstellt: 27.05.2019, 21:06 Uhr

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