«Ich bin der Allergrösste: Darum scheitern Narzissten»

In seinem neuen Buch beschäftigt sich der streitbare Medienunternehmer mit narzisstischen Männern.

«Isch mini Idee gsi»: Roger Schawinski schrieb ein Buch über Narzissten. Foto: Reto Oeschger

«Isch mini Idee gsi»: Roger Schawinski schrieb ein Buch über Narzissten. Foto: Reto Oeschger

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Roger Schawinski hat geschafft, was nur wenigen seiner Zeitgenossen vergönnt ist: Es gibt in der Schweiz kaum noch jemanden, der keine Meinung zu ihm hat. Regelmässig erhitzt der Zürcher Medienunternehmer und TV-Talker die Gemüter – seine Anhänger bewundern die unermüdliche Schaffenskraft und den angriffigen Interviewstil des 70-Jährigen. Seine Gegner sehen in ihm einen selbstherrlichen Zampano an der Oberfläche des Boulevards.

Demnächst dürften sich sowohl seine Freunde wie auch seine Kritiker zum wiederholten Male bestätigt fühlen: Der Tausendsassa hat ein Buch über narzisstische Männer geschrieben. In seinem neusten, neunten Werk, das in zwei Wochen erscheinen wird, nähert sich der Autor Figuren an, die nach ihrem Aufstieg zu Potenz und Ruhm tief gestürzt sind. Schawinski stützt sich laut seinem Verlag Kein & Aber auf «persönliche Begegnungen und akribische Recherche». Prominente Fälle werden ebenso besprochen wie die theoretische Grundlage des Phänomens der masslosen Selbstüberschätzung.

Er trifft den Nerv der Zeit

Zu dem guten Dutzend Anschauungsobjekten gehören der abgetretene Fifa-Präsident Sepp Blatter, der amerikanische Ex-Radstar Lance Armstrong («der Scheinheilige») und der ehemalige Novartis-Boss Daniel Vasella («die reine Geldgier»). Als Experte kommt der Psychiater und Psychotherapeut Mario Gmür zu Wort.

Journalist Schawinski trifft mit seiner Abhandlung den Nerv der Zeit – Führertypen, die sich ihrer Gesellschaft als unfehlbare Heilsbringer anbieten, haben Hochkonjunktur. US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, SVP-Patron Christoph Blocher oder der türkische Autokrat Recep Tayyip Erdogan sind drei Beispiele.

Coup und Pointe

Dass gerade Schawinski sich des Themas Narzissmus und Hybris annimmt, der mit seinen Erfolgen immer wieder Neider und Widersacher auf den Plan ruft, ist Coup und Pointe zugleich. Schawinski wäre aber nicht Schawinski, wenn er sich dieser Fallhöhe nicht bewusst wäre. Instinktsicher setzt er deshalb noch einen drauf und nennt seine Publikation «Ich bin der Allergrösste: Darum scheitern Narzissten».

Wohl wissend, dass er sich damit auf die besprochenen Personen im Buch bezieht, kann man den Titel auch als augenzwinkernde Andeutung an das öffentlich gezeichnete Bild des Radio-24- und Radio-1-Gründers verstehen. So ist der von Viktor Giacobbo für seine Schawinski-Parodien geprägte Ausspruch «Isch mini Idee gsi» längst ins allgemeine Sprachgut eingeflossen.

Erstellt: 06.06.2016, 08:36 Uhr

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