«Ich würde das Leben in Mitrovica vorziehen»

Einst selber auf der Flucht, spricht Fussballstar Valon Behrami im grossen Web-Spezial über das Elend an Europas Grenzen und seine eigene Geschichte.

Valon Behrami schildert, was ihm bei diesem Bild von Flüchtlingen auf der Balkanroute durch den Kopf geht. Foto: Tom Egli.

Valon Behrami schildert, was ihm bei diesem Bild von Flüchtlingen auf der Balkanroute durch den Kopf geht. Foto: Tom Egli.

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Als kleiner Bub war Valon Behrami einst selbst auf der Flucht. Ab Ende der 80er-Jahre wurde es für Albaner in Kosovo immer schwieriger. Behrami war fünf Jahre alt, als sein Vater von der Polizei verprügelt wurde, nach Hause kam und sagte: «Wir müssen gehen.»

In der Schweiz erlebte die Familie des heutigen Fussballstars lange Jahre der Ungewissheit. Dreimal wurde ihr beschieden, sie müsse das Land verlassen. Am Ende durfte sie doch bleiben – dank dem Einsatz eines Tessiner Lokalpolitikers. Sonst hätte Behrami nie für die Schweizer Nationalmannschaft gespielt.

Jetzt schaut sich der inzwischen 31-Jährige ein Bild mit Flüchtlingen in Nordgriechenland an. Verzweifelt versuchen sie, einen reissenden Bach zu überqueren. «Diese Menschen befinden sich im Überlebenskampf», sagt Behrami im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Ich muss dann jeweils daran denken, dass man auch im Fussball oft von ‹Kampf› spricht. Das kommt einem, wenn man solche Bilder sieht, beschämend vor.» Der Nationalspieler wünscht solchen Flüchtlingen eine Schweiz, die sie mit ­offenen Armen empfängt. «Jeder sollte dazu beitragen, dass die Welt besser wird», findet er. Es reiche nicht, sich in sozialen Medien betroffen zu zeigen.

Und Behrami selbst? Was würde er vorziehen, wenn er zwischen Kosovo und der Schweiz wählen könnte? «Es überrascht Sie vielleicht», sagt er. «Aber ich würde das Leben als gewöhnlicher Valon in Mitrovica vorziehen.» Er habe hier zwar ein sehr schönes Leben und könne sich vieles leisten. Aber der Krieg habe unbeschreibliches Leid über seine Verwandten gebracht. «Am liebsten wäre mir, das alles wäre nie geschehen und wir würden als grosse Familie zusammenleben.»

Lesen Sie das ganze Gespräch mit Valon Behrami im grossen Web-Spezial.

Gespräche zum Jahreswechsel

Zwischen Weihnachten und Neujahr unterhält sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit acht Interviewpartnern über das, was die Schweiz und die Welt bewegt. Zu Beginn steht immer ein Bild aus dem vergangenen Jahr. Und die Frage: Was wird jetzt daraus?

Drei Gespräche präsentieren wir Ihnen in einem umfangreichen Web-Spezial.

Medienexpertin Sarah Diefenbach forscht über die Generation Selfie. Sie analysiert dieses Phänomen sehr genau und kritisiert, dass das eigentliche Erleben zu kurz kommt. Die Menschen verändern sich, nicht nur im Hirn und am Daumen.

Die beiden Parlamentarier Roger Köppel & Daniel Jositsch sind befreundete Rivalen und stellen sich einer harten Debatte über die Problembeziehung der Schweiz mit der EU. Es geht um Eliten, Trump und die zentralen innenpolitischen Schlachten, die 2017 auf uns zukommen werden. Das Doppelinterview erscheint am 31. Dezember 2016.

Die weiteren Gespräche finden mit Anne Applebaum, Carlo Strenger, Wolfram Eilenberger und Chappatte statt. Auch diese werden Ihnen in einer Collection auf den Online-Portalen von «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» präsentiert.

Erstellt: 27.12.2016, 23:00 Uhr

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