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«Wer Gewalt ausübt, wendet sich immer auch an ein Publikum»

Grosse Koalitionen begünstigten extremistische Bewegungen, sagt Philipp Felsch. Foto: Jonas Holthaus (Laif)

Vor vierzig Jahren wurde Europa vom Terror der RAF heimgesucht. Warum beschäftigt uns die damalige Gewalt bis heute?

In unserer westlichen Kultur dominiert die Vorstellung, dass eine Gesellschaft vollständig ohne Gewalt auskommen kann, indem sie diese beim Staat monopolisiert.

Mit der RAF tritt eine Gruppierung auf den Plan, für die Gewaltlosigkeit eine Lüge ist.

Der Vietnamkrieg motivierte in Europa die Gewalt?

Die Grosse Koalition?

Gewalt von extremen politischen Bewegungen wird also immer als Gegengewalt legitimiert.

Spiralen aus Gewalt und Gegengewalt stellen den Rechtsstaat bis heute vor unlösbare Konflikte.

«Die These der RAF lautete: Der bürgerliche Staat ist gewalttätig.»

Es gibt also ein Gewaltpotenzial, mit dem wir rechnen müssen.

In den 70er-Jahren gibt es eine breit geführte Diskussion, ob Gewalt gegen Sachen legitim ist, um politische Ziele zu erreichen.

Der italienische Terrorismus in den 70er-Jahren stellte sich in diese Tradition.

Heute wendet der islamistische Terror diese Strategie an, um mit Bildern seiner Gewalt maximale Verstörung auszulösen.

Der linke Terrorismus ging vor vierzig Jahren sehr gezielt vor, während der IS geradezu blindwütig tötet. Und im Unterschied zum religiös motivierten Terror von heute war die Gewalt der Linken in den 1970er-Jahren von Theorien motiviert.

Etwa mit Marx’ Theorie vom Klassenkampf.

In den 1970er-Jahren wird also das ganze Spektrum der antiliberalen Theorien herangezogen, mit denen man Gewalt legitimieren kann.

Ist die Ermordung von Hanns Martin Schleyer am 18. Oktober 1977 denn keine Zäsur?