Ist Facebook islamophob?

Es zeigt sich einmal mehr: Entsprechende Richtlinien sind schwer umzusetzen.

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1,5 Millionen Videos löschte Facebook in den ersten 24 Stunden nach dem Attentat in Neuseeland, bei dem über 50 Menschen in zwei Moscheen getötet wurden. Auch Kommentare, welche das Attentat unterstützen oder loben, würden sofort entfernt, schrieb das Unternehmen. Aber: Bisher habe Facebook nicht angekündigt, seine Bemühungen zu verstärken, die Verbreitung antimuslimischer Inhalte einzudämmen, kritisiert eine Journalistin des News­portals Buzzfeed.

Seit Jahren seien Muslime in den sozialen Medien rassis­tischen und entwürdigenden Beleidigungen ausgesetzt. Gerade Fake-News-Fabriken würden ausgiebig falsche Informationen über Muslime als Bevölkerungsgruppe verbreiten, stellt Maarten Schenk, Chef des Fact-Checking-Portals «Lead Stories» fest. So stehe in acht von zehn der populärsten Artikel eines entsprechenden mazedonischen Website-Netzwerks das Wort «Muslim» im Titel.

Anders als bei per Nutzerbedingungen verbotenen Inhalten des Islamischen Staates oder der White Supremacist seien Plattformen wie Facebook, Amazon und Youtube nachlässig, wenn es darum gehe, islamophobe Inhalte zu entfernen, heisst es bei Buzzfeed. Eine mögliche Erklärung dafür: Mit Islamophobie können Unternehmen viel Geld verdienen, denn sie generieren Interaktionen, findet etwa die Assistenzprofessorin Whitney Phillips von der Syracuse University, die sich mit Onlinebelästigung befasst. So würden Nutzer auf einer Seite bleiben und die Werbung darauf sehen.

Es fehlen Ressourcen für die Beurteilung der Inhalte

Zumindest hat Facebook Besserung gelobt. Letztes Jahr teilte das Unternehmen mit, es werde seine Richtlinien betreffend Falschinformationen verschärfen, weil bestimmte Fehlinformationen zu realen physischen Verletzungen geführt hätten. Darauf entfernte es Inhalte über Muslime in Sri Lanka, die angeblich Essen für Buddhisten vergiftet hätten. Diese Information habe sich laut lokaler Quellen als falsch herausgestellt, gleichzeitig hätte sie das Potenzial gehabt, zu realer Gewalt zu führen.

Die Frage ist komplex: Was sind gute, was schlechte Informationen, was komplette Unwahrheiten? Grosse Onlineplattformen, so kritisieren Experten, seien nicht ausreichend ausgestattet, um diese Auswahl angemessen zu bewerkstelligen. Der Dokumentarfilm «The Cleaners» zeigt etwa, unter welch prekären Arbeitsbedingungen dürftig geschulte Angestellte in den Philippinen potenziell problematische oder verbotene Inhalte von Facebook-Usern überprüfen – und wie Richtlinien dabei fragwürdig interpretiert werden.

Der 28-jährige Attentäter von Neuseeland hörte, während er Menschen erschoss, ein nationalistisches Kampflied über den früheren Serbenführer Radovan Karadzic. Das Lied kursiert seit Jahren im Internet, als anti-muslimisches Meme. Es wurde millionenfach verbreitet. Jahrelang.

Erstellt: 20.03.2019, 20:27 Uhr

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