Zum Hauptinhalt springen

Kampf der Idiome

Länger war es ruhig um die Standardsprache der rätoromanischen Schweiz. Nun ist im Bündnerland wieder ein Streit um die vierte Landessprache entbrannt.

Standardsprache oder einzelne Idiome? Eine Schülerin schreibt in Rumantsch Grischun in einer Bündner Schule (Archivbild).
Standardsprache oder einzelne Idiome? Eine Schülerin schreibt in Rumantsch Grischun in einer Bündner Schule (Archivbild).
Keystone

Nach einer Phase der relativen Ruhe sorgt die rätoromanische Standardsprache Rumantsch Grischun in Graubünden wieder für rote Köpfe. Gegner wollen die Schriftsprache aus den Schulstuben verbannen. Heute meldeten sich die Befürworter zu Wort.

Die Impulsgruppe «pro rumantsch» stellte in Chur ein Manifest vor, das die Einführung der vor 30 Jahren kreierten rätoromanischen Dachsprache als Alphabetisierungssprache in der Schule proklamiert. Das Manifest wolle einen realistischen Weg aufzeigen, um die Frage Rumantsch Grischun in der Schule zu lösen, sagte die Journalistin Maria Cadruvi vor den Medien.

Dieser Weg sieht laut der Impulsgruppe so aus: Weiter in den fünf rätoromanischen Idiomen sprechen und in der Schule die gemeinsame Schriftsprache schreiben. Die Gruppe will jenen Gemeinden, die Rumantsch Grischun als Schulsprache eingeführt haben, ihren Respekt bezeugen und andere Gemeinden ermuntern, diesen Schritt ebenfalls zu vollziehen.

Kontrapunkt gesetzt

Die Impulsgruppe «pro rumantsch» hat mit ihrem Auftritt einen Kontrapunkt gesetzt zu den Bewegungen der letzten Monate in mehreren rätoromanischen Gebieten. Die Gegner der Standardsprache haben sich in Vereinen «Pro Idioms» formiert. Im Engadin wurde ein solcher Verein gegründet, im Bündner Oberland (Surselva) ebenfalls.

Im Münstertal, wo in allen Talschulen in Rumantsch Grischun unterrichtet wird, wurden Unterschriften gesammelt für die Wiedereinführung des regionalen Idioms als Schulsprache. Der Widerstand verfolgt ein Ziel: Ein Beschluss des Bündner Parlaments vom August 2003 soll gekippt werden.

Der Grosse Rat entschied damals im Zuge einer Sparrunde, dass ab 2005 alle rätoromanischen Lehrmittel in Rumantsch Grischun gedruckt werden. Die fünf Idiome sollten als Umgangssprache im Alltag und in der Familie ihren Platz haben.

Zurück in die Schulstuben können die Idiome nur geholt werden, wenn das Kantonsparlament auf seinen Beschluss von 2003 zurückkommt. Der Grossratsentscheid stellt mittel- und längerfristig ein Problem für jene Gemeinden dar, welche ein Idiom in der Schule unterrichten. Ihnen werden irgendwann die Schulbücher ausgehen.

Von Anfang an umstritten

Die 1982 vorgestellte und vom verstorbenen Zürcher Romanistik- Professor Heinrich Schmid im Auftrag der rätoromanischen Dachorganisation Lia Rumantscha kreierte Schriftsprache polarisiert seit bald 30 Jahren. Während die einen sie als Kunstsprache und Bedrohung für die Idiome zurückweisen, glauben andere, nur eine Einheitssprache könne das Überleben der vierten Landessprache sichern.

Rumantsch Grischun wird vom Bund bereits seit 1986 als Amtssprache benutzt. In Graubünden ist die Schriftsprache seit 2001 neben Deutsch und Italienisch offizielle Amtssprache.

SDA/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch