Karriere ja, Ellbogen nein danke

Frauen sollen gleichzeitig forsch und zurückhaltend sein, um befördert zu werden. Wie wärs, wenn die oben einfach mal besser hinhören?

Kluge Chefs erkennen das Talent ihrer Mitarbeitenden, egal ob diese laut oder eher zurückhaltend sind. Bild: Pexels

Kluge Chefs erkennen das Talent ihrer Mitarbeitenden, egal ob diese laut oder eher zurückhaltend sind. Bild: Pexels

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Der Chef des Weltluftfahrtverbandes hat sich sexistisch über Frauen in Führungspositionen geäussert. Später hat er sich dafür entschuldigt. Doch wie ein Artikel zum Thema in dieser Zeitung zeigte, ist der Weltluftfahrtverband trotzdem ratlos, wenn es darum geht, dem Mangel von Karrieremöglichkeiten für Frauen in der Luftfahrtbranche zu begegnen. Mylene Scholnick, Partnerin des Beratungsunternehmens ICF, hat eine Idee: Frauen sollten sich aus ihrer Komfortzone herauswagen. Denn da sie weniger forsch seien als Männer, würden sie bei Beförderungen übergangen. Es sei jedoch eine Herausforderung, selbstbewusster aufzutreten und gleichzeitig die positiven Effekte der Zurückhaltung zu bewahren. Wie bitte?

Es liegt nicht nur an den Frauen, die Balance zwischen Lautsein und Zurückhaltung zu finden, um vom Chef gehört und als sympathisch wahrgenommen zu werden. Und das nicht nur in der Luftfahrt. Ich möchte mich lieber darauf verlassen können, dass ich kompetente Mitarbeitende und Vorgesetzte in meinem Arbeitsumfeld habe, die mitdenken und gegebenenfalls mein Talent erkennen, auch wenn ich nicht die Ellbogen ausfahre. Das gilt übrigens auch im Falle von Männern, die eher durch Qualität und Produktivität als laute Worte glänzen.

Natürlich gehört es bis zu einem bestimmten Grad dazu, sich und seine Anliegen zu verkaufen. Aber anstatt dass sich nur diejenigen, die gehört werden wollen, aus ihrer Komfortzone rausbewegen müssen, um anerkannt zu werden, sollten sich vielleicht diejenigen, die oben hocken, Gedanken machen, wie sie Talent und Leistung richtig er- und anerkennen. Die Komfortzone verlassen und einfach mal besser hinhören und hinsehen. Sie schiessen sich sonst streng genommen ins eigene Bein, wenn sie diejenigen befördern, die sie am ehesten auf den ersten Blick sehen und hören, die sich auf den zweiten Blick aber allenfalls als nicht ganz so kompetent erweisen.

Was ein guter Chef können muss, damit beschäftigt sich übrigens auch SRF im Rahmen des Swiss Economic Forum (Start heute). Im Vorfeld wurden Passanten nach Qualitäten eines guten Chefs befragt: Zuhören, den Mitarbeitenden gegen oben vertreten, Sozialkompetenz beweisen. Das spricht für ein Arbeitsklima, in dem es Forschheit nicht wirklich braucht, um weiterzukommen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.06.2018, 17:15 Uhr

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