Kinder sind in Krippen gut aufgehoben

Eine Studie zeigt: Der Besuch einer Kita hat keinen messbaren Rückstand zur Folge. Doch damit ist der Fall nicht abgeschlossen.

Es steht und fällt alles mit der Qualität der Krippe, die hierzulande zum Glück meist hervorragend ist.<br />Foto: Keystone

Es steht und fällt alles mit der Qualität der Krippe, die hierzulande zum Glück meist hervorragend ist.
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Das Baby geht in die Krippe? In der Schweiz wird diese Mitteilung bis heute zwiespältig aufgenommen. Sogar manche hiesige Betreuungsexpertin würde das Mindestalter für die Krippenbesucher gern nach oben schrauben, in Richtung ein bis zwei Jahre – damit der junge Erdenbewohner sogenannt sicher gebunden ist, bevor er fremdbetreut wird. Ausländische Studien entwarnen da zwar, zeitigen jedoch nicht ganz einheitliche, auch nicht direkt übertragbare Resultate.

Also wollten Entwicklungspsychologen der Universität Zürich es jetzt genau wissen und mit den Spekulationen rund um das heiss umkämpfte, schwer politisierte Betreuungsthema aufräumen. Sie testeten 637 Krippenkinder zwischen 18 und 24 Monaten im Hinblick auf ihre motorischen, sprachlichen, kognitiven und sozialen Entwicklungsschritte und verglichen. Ergebnis: Kita oder nicht spielt überhaupt keine Rolle. Jedenfalls nicht bei den untersuchten Kindern, die aus bildungsaffinen Elternhäusern kamen.

Dass Kinder aus belasteten oder fremdsprachigen Familien von Krippenbetreuung sogar profitieren, ist schon länger erwiesen. Und zur Problematik der Bindungsfähigkeit heisst es: Die Beziehung zu den Eltern sei sowieso zumeist die massgebliche Bindungserfahrung. Bei den 45 Prozent unsicher gebundenen schweizerischen Kindern, die eine Studie unlängst vermutete, liegt das Problem demgemäss vornehmlich zu Hause.

Die glücklichsten Mütter leben in Skandinavien, wo es lange, bezahlte Elternzeit gibt.

Ist der Fall Krippe also abgeschlossen? Jein. Es ist gut, dass man sich neu getrost auf harte Forschung stützen kann. Aber erstens steht und fällt alles mit der Qualität der Krippe – die hierzulande zum Glück meist hervorragend ist. Zweitens ist das mit der sicheren Bindung an Mutter und Vater etwas schwierig, wenn die schon im ersten Lebensjahr des Kindes zwischen Krippe, Job und Daheim herumhetzen müssen. Die glücklichsten Mütter leben laut Untersuchungen in Norwegen, Finnland, Island, Dänemark und Schweden: da, wo es lange, bezahlte Elternzeiten bei gesichertem Arbeitsplatz oder ähnliche Modelle gibt. Und glückliche Mütter sind nicht nur fürs Kind am besten, sondern nützen der ganzen Gesellschaft.

Erstellt: 12.09.2019, 23:03 Uhr

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