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Kritik der Kritik

Eine Studie der Universität Zürich, welche die Qualität der Medien kritisierte, geriet selber in die Kritik. Nun antworten die Autoren der Studie.

Die Publikation eines Kommentarszum Jahrbuch 2011 «Qualität der Medien – Schweiz, Suisse, Svizzera» des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) im TA Print (und online) am letzten Samstag hat auf verschiedenen Plattformen eine lebhafte Diskussion über die Qualität der Medien und diejenige der Medienkritiker ausgelöst – was wir sehr begrüssen. Noch am selben Tag hat Fög-Leiter Kurt Imhof auf der Fög-Homepage eine «Gegendarstellung» publiziert. Heute wurden Teile davon auf der Leserbriefseite in der Print-Ausgabe des Tages-Anzeigers abgedruckt. Unten der Leserbrief im Wortlaut und hier der Text auf der Fög-Seite.

Selektiver Informationskonsum Peter Wälty, der Chefredaktor von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, kritisiert das Jahrbuch 2011 «Qualität der Medien – Schweiz, Suisse, Svizzera» auf unzulässige Weise. Es stimmt, dass uns bei der Erstellung der Darstellung über die Abdeckung der Bevölkerung durch die Gattung Online ein Fehler unterlaufen ist. Dadurch lassen sich die Angaben von 2009 mit den Angaben für 2010 nicht vergleichen. Dieser Fehler wurde jedoch bereits vor der Herausgabe des Jahrbuchs entdeckt. Wir haben bei der Medienkonferenz anlässlich der Herausgabe darauf hingewiesen und gleichzeitig mit einem Korrigendum auf der Website des Jahrbuchs www.qualitaet-der-medien.chreagiert. Peter Wälty wurde dies auf Anfrage persönlich mitgeteilt. Weiter moniert Wälty, beim Vergleich der sogenannten Newssites (etwa NZZ Online) und Onlineportalen (etwa Bluewin.ch) sei der Befund falsch. Ausserdem würden wir unterschlagen, «dass Onlineportale wie Bluewin, anders als Presseerzeugnisse, in der Regel nicht nur in einem Landesteil benutzt würden, sondern gesamtschweizerisch». Beides ist falsch. Alle Sites werden selbstverständlich jeweils für die drei Sprachgruppen berechnet, weil die unterschiedliche Nutzung interessiert. Unterschieden werden dabei die Newssites der Abonnementszeitungen, der Boulevardzeitungen, der Gratis­zeitungen und die Onlineportale von Dienstleistungsanbietern mit News (z. B. Bluewin.ch) beziehungsweise von Rundfunkanbietern (z. B. Sf.tv). Hohe Nutzungswerte erzielen in allen Sprachregionen diese Onlineportale. Entsprechend liegen die Onlineportale in ihrer Verbreitung gesamthaft deutlich vor den Newssites der Abonnementszeitungen, der Boulevard- wie auch der Gratiszeitungen. Peter Wälty behauptet auch, wir hätten die Umsatzzahlen für die Gattung Online als ganze nicht beachtet. Wir haben die erhältlichen Bruttoangaben (Werbe­einnahmen) sehr wohl einbezogen und kommentiert. Ausserdem insinuiert er, es sei möglich, Angaben über die Werbeeinnahmen einzelner Newssites zu erhalten. Für das Jahr 2010, das Untersuchungsjahr des Jahrbuchs, ist dies allerdings noch gar nicht möglich. Möglich ist es erst ab 2011. Schliesslich behauptet Peter Wälty, die Aussage im Jahrbuch sei falsch, dass der Informationskonsum auf Newssites von Suchmaschinen gesteuert sei. In der Tat sagen wir, «dass der Informationskonsum im Internet sehr selektiv und stark von Suchmaschinen gesteuert ist», und «dass sich hier keine den anderen Gattungen (d. h. Presse, Radio und Fernsehen) vergleichbare Publikumsbindung erzielen lässt». Dass der Informationskonsum auf Newssites stark von Suchmaschinen geprägt ist, ist ein branchenweit verankertes Wissen, freilich geben dies die News­sites ungern bekannt. In seinem Furor hat Wälty nun gleich selbst die Zahl von 20 Prozent der Zugriffe genannt, die allein von Google bei Tagesanzeiger.ch landen. Unter dem Strich verdankt sich dem Beitrag von Peter Wälty lediglich der Hinweis auf einen Tippfehler. Der Beitrag beweist allerdings unfreiwillig, dass sich ernsthafte Qualitätsfragen stellen. Ein konstruktiverer Umgang mit dem Jahrbuch drängt sich auf. Kurt Imhof, Universität Zürich Leiter Forschungsbereich für Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög)

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