Laufen Gutscheine wirklich ab?

Gutscheine sind beliebte Geschenke. Doch sie haben einen Haken: Oft verschwinden sie in der Schublade. Was gilt, wenn sie wieder auftauchen.

Wenn ein Gutschein das Ablaufdatum überschritten hat, ist deswegen das Geld noch lange nicht verloren.

Wenn ein Gutschein das Ablaufdatum überschritten hat, ist deswegen das Geld noch lange nicht verloren. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ob zum Geburtstag, zur Hochzeit oder zum Firmenjubiläum: Geschenkgutscheine sind praktisch. Man muss sich bloss für das Verkaufsgeschäft und den Betrag entscheiden, und fertig ist das Geschenk. Wer einen Gutschein bekommt, der kann sich ganz nach seinem Geschmack selbst eine Ware aussuchen. Doch was ist, wenn man den Gutschein ­vergisst?

Bei Gutscheinen sind die gesetzlichen Verjährungsfristen des Obligationenrechts massgebend. Handelt es sich um einen Waren-, Lebensmittel oder Restaurantgutschein, so verjährt dieser nach fünf Jahren. Die meisten anderen Gutscheine wie beispielsweise Hotel-, Reise- oder Kinogutscheine verjähren nach zehn Jahren. Die gesetzlichen Fristen gelten dann, wenn auf einem Gutschein kein Ablaufdatum angegeben ist.

Befristung kommt oft vor

In der Praxis kommt es oft vor, dass die Gültigkeitsdauer der Gutscheine verkürzt wird. Zum Beispiel heisst es «gültig bis 1. April 2017» oder «gültig drei Jahre nach dem Ausstelldatum». Der Aussteller des Gutscheins bestimmt im Rahmen der Vertragsfreiheit selber, unter welchen Voraussetzungen seine Gutscheine eingelöst werden können. «Nach Gesetz geht das eigentlich nicht. Selbst wenn auf einem Gutschein eine kürzere Einlösefrist steht, welche bereits abgelaufen ist, gelten die gesetzlich vorgesehenen Verjährungsfristen von fünf ­respektive zehn Jahren», sagt Claude Monnier von der Anwaltskanzlei Häusermann und Partner Bern.

Juristen streiten sich darüber, ob eine kürzere Befristung zulässig ist. Ein klärendes Gerichtsurteil gibt es bis heute nicht, denn bei den meisten Gutscheinbeträgen lohnt sich ein Gang vor Gericht kaum. Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, sagt: «Wenn der befristete Gutschein abgelaufen ist, raten wir, beim jeweiligen Unternehmen auf die Einhaltung der zwingenden gesetzlichen Verjährungsfristen zu pochen.»

Ladenbesitzer sind kulant

Zudem kann man auf die Kulanz des Ladenbesitzers hoffen. Konsumenten sollten auf jeden Fall versuchen, den Gutschein einzulösen. Ein kundenfreundliches Geschäft nimmt den Gutschein auch später noch an. Beispielsweise Coop verkauft Geschenkkarten. Diese sind 36 Monate ab Kauf gültig. Bei jeder Wiederaufladung verlängert sich die Gültigkeit um weitere drei Jahre. Bei der Migros verlängert sich der Geschenkgutschein nach jedem Einkauf sogar um weitere fünf Jahre.

Schwierigkeiten mit dem Einlösen von Gutscheinen gibt es regelmässig bei kleineren Geschäften. Zum Beispiel, wenn etwa eine Kleiderboutique kurz nach Geschäftseröffnung schon wieder schliesst. Oder wenn die Massagepraxis in eine andere Stadt zieht. Wie sieht es hier mit dem Einlösen von Gutscheinen aus?

Hat der neue Geschäftsinhaber das Geschäft samt den bestehenden Verpflichtungen des Vorgängers übernommen, so können die Gutscheine bis zu ihrer Verjährung eingelöst werden. Der neue Geschäftsinhaber kann sich diesen Verpflichtungen nicht entziehen, auch nicht durch einen Aushang im Laden, alte Gutscheine seinen nicht mehr gültig.

Wurde das Geschäft jedoch ohne Schulden übernommen, so besteht kein Anspruch gegenüber dem neuen Besitzer. Es haftet nach wie vor der ursprüngliche Ladeninhaber. Kann er die Leistung nicht mehr erbringen, haftet er für die Rückerstattung des für den Gutschein ausgegebenen Geldbetrages.

Kein Anspruch auf Bargeld

Bleibt die Frage, was zu tun ist, wenn der Konsument mit gültigem Gutschein im Geschäft kein passendes Produkt findet? Ein Anspruch auf Bargeld besteht in der Regel nicht. Allerdings dürfen Gutscheine weiterverschenkt werden oder weiterverkauft – zum Beispiel über das Internet. Ausgenommen davon sind Gutscheine, die persönlich adressiert sind oder bei denen ausdrücklich vermerkt ist, dass sie nicht übertragbar sind.

Erstellt: 12.04.2016, 13:28 Uhr

Artikel zum Thema

Gutschein verfallen – was tun?

Wenn ein Geschenkgutschein abgelaufen ist, bedeutet das noch nicht, dass das Geld verloren ist. Konsumentenorganisationen geben Tipps. Mehr...

Die SBB verschenken Gutscheine –und keiner merkt es

Die SBB sagen, sie hätten Halbtax-Abo-Besitzern einen 10-Franken-Bon zugestellt. Etliche haben jedoch keinen erhalten, und viele werden ihn nicht einlösen können. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...