Legalize it!

Ein Gespräch über das Kiffen.

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Mutter: Theo!

Theo: Was?

Mutter: Komm her!

Theo: O Mann, was denn?

Mutter: Du kommst sofort!

Theo: Ja ... ja ..., also, was ist?

Mutter: Ich hab die Post aufgemacht.

Theo: Na und?

Mutter: Da ist ein Brief für dich.

Theo: Na und?

Mutter: Von französischen Behörden.

Theo: Ja ...

Mutter: Eine Busse von 500 Euro wegen Cannabis-Besitzes.

Theo: Ach die ... ja ... Das ist easy.

Mutter: Das ist nicht «easy», wenn du dein Haschisch in die Ferien nimmst. Du zahlst die Busse von deinem guten Lohn, das kann ich dir sagen!

Theo: Nein, Mama, die muss nicht ich zahlen.

Mutter: Wer denn? Ich nicht!

Theo: Der Steuerzahler.

Mutter: Was?

Theo: Die Busse kann ich von meinen Steuern absetzen.

Mutter: Gehts noch?

Theo: In der Schweiz darf man bis zu 10 Gramm Gras straflos mitführen, aber in Frankreich darf man das nicht. Ich habe also nicht gegen das Schweizer Recht verstossen, deshalb wird mich der Schweizer Staat vor dieser völlig ungerechten Busse aus Frankreich schützen, indem ich die Busse von meinen Steuern abziehen darf.

Mutter: Hä? Wie kommst du denn auf den Blödsinn?

Theo: Die UBS hat von Frankreich auch eine Busse von 5 Milliarden Franken bekommen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Und die UBS will die Busse von den Steuern abziehen, weil diese gemeinen Franzosen eine Tat bestrafen, die in der Schweiz nicht strafbar wäre.

Mutter: Das ist doch alles unlogisch.

Theo: Ich finde es voll logisch, dass die Steuerzahler uns beistehen, wenn Frankreich keinen Respekt vor dem Schweizer Recht hat.

Mutter: Aber das Schweizer Recht gilt doch nicht in Frankreich!

Theo: Für Schweizer schon, dafür kämpft die SVP.

Mutter: Die SVP kämpft dafür, dass ein solches Gesetz für Schweizer Unternehmen gelten soll, nicht für Privatpersonen.

Theo: Hä? Wieso soll das nur für die UBS gelten und nicht für mich?

Mutter: Weil du nicht die UBS bist!

Theo: Das ist doch jetzt total unlogisch.

Mutter: Wir Steuerzahler müssen doch nicht die Verantwortung übernehmen, wenn du oder Schweizer Unternehmen im Ausland illegale Dinge tun.

Theo: Illegale Dinge? Siehst du, genau das ist das Problem. Nur weil man im Ausland etwas tut, was in der Schweiz erlaubt ist, wird man kriminalisiert. Überall wird gekifft, überall werden Steuern hinterzogen, auch im Ausland. Die Politik muss der Realität endlich in die Augen sehen. Ich finde, man soll das alles endlich legalisieren und damit das Netzwerk der kriminellen Hanf- und Steuer-Dealer sprengen. Legalize it! Legalize it!

Mutter: Steuerhinterziehung und Kiffen sind zwei verschiedene Dinge.

Theo: Beides macht high. Und beides wird geduldet.

Mutter: Nein, Steuerhinterziehung ist in der Schweiz verboten, nur ein paar Beihilfen zur Steuerhinterziehung sind erlaubt.

Theo: Wie beim Kiffen. Kiffen ist verboten, aber ein paar Beihilfen zum Kiffen sind erlaubt.

Mutter: Aber mit dem Kiffen schadest du nur dir, und die Steuerhinterziehung schadet der ganzen Gesellschaft!

Theo: Na und?

Mutter: Du musst aufhören mit dieser Kifferei, Theo. Sie verändert dich.

Theo: Na und?

Mutter: Kiffen ist eine Einstiegsdroge.

Theo: Na und?

Mutter: Weisst du, dass Kiffen gleichgültig macht?

Theo: Na und? Ist mir doch egal.

Mutter: Du musst weg von dem Zeug, du verdrehst die Realität.

Theo: Mmm... Hast recht, irgendwie fährt das Zeug nicht mehr ein. Vielleicht probier ich mal Steuerhinterziehung.

Erstellt: 04.03.2019, 22:08 Uhr

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