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Lieber Glöckner von nebenan

Max Küng, Reporter und Kolumnist von «Das Magazin», schreibt einen Brief über die Ruhe selbst.

Nimmt sich Zeit: Guiseppe Ardizio, Glöckner und Hüter des Glockenturms der Kirche Santa Maria del Sasso in Morcote. Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone)
Nimmt sich Zeit: Guiseppe Ardizio, Glöckner und Hüter des Glockenturms der Kirche Santa Maria del Sasso in Morcote. Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone)

In den Bergen war ich, zwei Wochen am Stück, in einem kleinen Dorf. Nur wenig mehr als dreihundert Seelen leben dort, Tendenz leicht sinkend. Das Postamt schloss vor Jahren schon. Der Lebensmittelladen machte kürzlich dicht.

Aber zwei Kirchen stehen dort, Hunderte von Jahren schon. Beide Kirchen haben Glocken in ihren Türmen hängen, die volle Stunden schlagen. Es sind feine Klänge, was gut passt, denn in dem Dorf ist es brutal ruhig; es ist so still dort, dass ich nachts beim Einschlafen das Rauschen des Blutes in meinen Ohren höre. Nirgendwo schläft man so gut wie in diesem Dorf. Friedlicher kann nur der Tod sein.

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