Live dabei, wenn sich Strassengangs prügeln

Die allgemeine Überwachung schreitet voran. Die App Citizen überträgt nun gar Verbrechen.

Eine App namens Citizen ­verspricht seit einiger Zeit, die Strassen von US-Grossstädten wieder sicherer zu machen – indem sie Verbrechen live ins Netz sendet. (Foto: Keystone)

Eine App namens Citizen ­verspricht seit einiger Zeit, die Strassen von US-Grossstädten wieder sicherer zu machen – indem sie Verbrechen live ins Netz sendet. (Foto: Keystone)

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In Manhattan findet eine Schiesserei statt, ein paar Stunden später wird in Brooklyn eine alte Frau vermisst, währenddessen gehen in der südlichen Bronx ein Dutzend Leute mit Baseballschlägern aufeinander los. Eine mehr oder weniger normale Freitagnacht in New York City, könnte man meinen. Mit dem Unterschied, dass man heutzutage via Internet live dabei sein kann.

Eine App namens Citizen ­verspricht seit einiger Zeit, die Strassen von US-Grossstädten wieder sicherer zu machen – indem sie Verbrechen live ins Netz sendet. Dies, so das Versprechen von Citizen, erhöhe die Sicherheit in der Stadt.

Citizen eignet sich perfekt, um sich ein bisschen aus der Distanz zu gruseln.

Wie man es in den üblichen sozialen Netzwerken gewohnt ist, kann man die einzelnen Vorkommnisse mit Informationen anreichern, etwa mit einer genauen Ortsmarke oder einem von Passanten aufgenommenen Video. Dazu kommt noch eine Chatfunktion, um sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Selbst Smileys sind erlaubt.

Kurz: Citizen eignet sich perfekt, um sich ein bisschen aus der Distanz zu ­gruseln – und gleichzeitig sicherzustellen, dass es mit rechten Dingen vor sich geht.

Längst interessieren sich neben der Polizei und ­anderen Sicherheitsbehörden auch Unternehmen für die Möglichkeiten der modernen Überwachungstechnik und künstlichen Intelligenz. Eine App namens Patronscan verspricht etwa, sämtliche Personen, die schon mal Hausverbot in einer Bar oder einem Restaurant erhalten haben, in einer privaten Datenbank zu speichern. Mit Fotoabgleich und Ausweiskontrolle hätten so ­Tausende private Unternehmen Zugriff auf die Daten der Delinquenten, die in den meisten ­Fällen gar nichts davon wissen.

Gesichtserkennung für alle

Bloss: Die aufgezeichneten Bilder verschwinden nicht einfach wieder. Sind die Aufnahmen ­einmal gespeichert, können sie für weitere Zwecke verwendet werden. Zuletzt wurde bekannt, dass die Bilddatenbank Ever eine ­Gesichtserkennungssoftware, die sie mit Fotos ihrer Mitglieder gefüttert hat, ohne deren Wissen an Strafverfolgungs­behörden verkauft.

Derweil ist ein Einstieg in diese schöne neue Welt der privaten Überwachung auch dem End­verbraucher möglich. Amazon bietet seine Rekognition genannte Software für jedermann an – man braucht nur entsprechendes Datenmaterial, also ein Foto einer Person, das dann etwa mit den Aufnahmen von öffentlichen Webcams abgeglichen werden kann. Ein einminütiges Video nach Gesichtern zu durchforsten, kostet zehn US-Cent. Ein Spottpreis für mehr Sicherheit.

Erstellt: 06.06.2019, 17:54 Uhr

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