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Make Switzerland Green Again

Was wäre, wenn die SVP nach der Wahlniederlage über ein grünes Parteiprogramm nachdenken würde.

MeinungLaura de Weck

Parteisitzung in Bern

Vizepräsidentin: Peinlich, diese Niederlagen in Zürich, Basel und Luzern. Mir reichts! Bis zu den eidgenössischen Wahlen im Herbst bleibt kaum Zeit. Wir müssen jetzt handeln! Ich habe die Arbeitsgruppe «We Care for Us» eingesetzt. Auch wir können dem Wähler zeigen, dass uns die Umwelt am Herzen liegt. Wir sind seit eh und je die Bauern- und Naturpartei. Das müssen jetzt alle begreifen. Grüne Lösungen müssen her! Ich höre?

Assistent:Also... wie wärs, wenn wir private Helikopterflüge weglassen? Wenn ihr zur Delegiertenversammlung in den Thurgau fliegt, dann...

Vizepräsidentin: Andere Vorschläge?

Assistent: ...ehm... oder wie wäre es, wenn wir uns für die Wahlplakate in Bio-Baumwoll-Fair-Fashion-Anzügen fotografieren lassen, die von Schweizer Landfrauen handgefertigt werden?

Vizepräsidentin: Sehr gut!

Mitglied Parteileitung: Pflanzt die Schweiz überhaupt Bio-Baumwolle an?

Vizepräsidentin: Egal, die fliegen wir ein.

Assistent: Aber...

Vizepräsidentin: Dann würde ich auch noch ein paar Spenden in Auftrag geben, an Bienen Schweiz, Berghilfe für Bauern in Not und die Stiftung Kinderhospitz Schweiz.

Mitglied Parteileitung: Der Klimawandel hat doch mit Kindern nichts zu tun.

Vizepräsidentin: Stimmt, nimm die Kinder wieder raus.

Assistent: Vielleicht etwas mit Gletscherschmelze?

Vizepräsidentin: Sehr gut. Ich will die erste Partei sein, die sich ein Umweltsiegel leistet!

Mitglied Parteileitung: Ein Siegel?

Vizepräsidentin: Ja, irgendeins, NaturaNation, BioSuisse, ÖkoPatrioten, Care for Volk, Antitoxic-Politics, MartullOrganic, EcoPop, FairBlocher, ist mir egal, Hauptsache, wir stempeln einen grünen Siegel auf unsere Plakate!

Assistent:Aber solche Siegel erfordern hohe Standards.

Vizepräsidentin: Ach was, in Deutschland gibt es Siegel, die ganz billig zu haben sind.

Mitglied Parteileitung: Stopp, stopp, stopp! Ich bin dagegen. Das ist doch alles Blödsinn, ich finde, wir sollten bei unserer Strategie bleiben, wir leugnen den Klimawandel. Wir sollten an die Stärke unserer Schweizer Natur glauben. Das Schweizer Klima lässt sich so schnell nicht wandeln!

Vizepräsidentin: Aber unsere Wähler wandeln sich ziemlich schnell Richtung Grün. Und wenn diese 16-jährigen Klimaaktivisten älter werden, wählt uns niemand mehr!

Mitglied Parteileitung: Diese Aktivisten sind von grünen Lehrern missbrauchte Kinder! Lasst ihr euch davon abschrecken? Wir müssen bei unseren Kernthemen Einwanderung und EU bleiben, sonst...

Vizepräsidentin: Nein, Umweltschutz gehört zu unseren Kernthemen. Wir sind die Konservativen, wir konservieren auch die Umwelt!

Assistent: Sehr guter Punkt.

Vizepräsidentin: Und wenn sogar Coca-Cola Ärzte in Afrika unterstützt und Land Rover Autos ans Rote Kreuz verschenkt, ist es doch völlig normal, wenn wir zu unserer freiheitlichen Verantwortung stehen und ein Biogaskraftwerk für die paar Biogasautos von Walter Frey bauen.

Mitglied Parteileitung: Nein...

Vizepräsidentin: Und für jede Stimme, die unsere Partei bei den Nationalratswahlen erhält, pflanzen wir einen Schweizer Baum!

Mitglied Parteileitung: Nein, nein, nein, seid ihr wahnsinnig geworden? Lasst uns den Klimawandel weiter leugnen! Alles andere werden uns unsere Wähler nie glauben. Es gibt keinen Klimawandel! Und schon gar nicht in der Schweiz. Wir haben hier nur reinste Schweizer Bergluft von bester Qualität.

Vizepräsidentin: Stimmt, du hast recht, vielleicht sollten wir unsere Umweltpolitik doch mit unseren Kernthemen verbinden...

Mitglied Parteileitung:Wie?

Vizepräsidentin: Wie wärs mit dem Slogan «Ohne Ausländer weniger CO2! Gegen das EU-Klima. Wählt SVP, das nationale Grün!»?

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