«Man hat ihnen den Berg unter dem Hintern weggezogen»

Ein Berner Verein will, dass Milliardär Ernesto Bertarelli den Schönrieder Hausberg mit der Öffentlichkeit teilt.

2018 läuft die Konzession des Rellerli-Lifts aus – ein Verein will an seiner Stelle eine neue Gondelbahn bauen.

2018 läuft die Konzession des Rellerli-Lifts aus – ein Verein will an seiner Stelle eine neue Gondelbahn bauen. Bild: Valérie Chételat

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An der Gemeindeversammlung im Herbst vor zwei Jahren besiegelten die Saaner den Verkauf des Rellerli an Ernesto Bertarelli. Der Handel um den Schönrieder Hausberg war Teil eines Rettungsplans für die maroden Bergbahnen Destination Gstaad. Eine Investorengruppe um den Multimilliardär und America’s-Cup-Sieger stieg als Financier ins Bergbahnunternehmen ein. Doch das Geschäft hat seinen Preis: Die Gondelbahn auf das Rellerli, deren Konzession Ende 2018 ausläuft, soll dann ersatzlos abgebrochen werden.

Bertarelli plant auf dem Aussichtsberg eine private Luxuslodge. «Man hat den Schönriedern den Berg unter dem Hintern weggezogen», sagt Max Baur, Präsident des Vereins Freunde des Rellerli und Zweitwohnungsbesitzer im Saanenland.

Am Rellerli-Handel gab es schon damals Kritik, die Rede war vom Ausverkauf der Heimat. Doch nun gibt es eine Idee, wie der Berg für eine breite Öffentlichkeit zugänglich erhalten bleiben soll. Die Freunde des Rellerli glauben, einen Weg gefunden zu haben, und erfreuen sich grossen Zulaufs. Der Verein, den es seit diesem Frühling gibt, zähle bereits gegen 800 Mitglieder und Unterstützende, sagt Baur. Darunter seien auch finanzstarke, bekannte Persönlichkeiten, deren Namen er aber nicht nennen will.

Bertarellis Skilehrer soll erklären

Der Verein will die alte Rellerli-Bahn durch eine neue Gondelbahn ersetzen – so würde für die Allgemeinheit alles beim Alten bleiben, und Bertarelli hätte seinen Berg erschlossen. «Seiner Mountain View AG hat man für über fünf Millionen Franken bloss 4000 Quadratmeter Weideland verkauft», sagt Baur. Denn die Erschliessung, wie sie an der Gemeindeversammlung skizziert worden sei, würde nicht funktionieren. Bertarelli soll seine Luxuslodge dereinst über ein noch auszubauendes Strässchen erreichen können. Eine im Grundbuch festgehaltene Dienstbarkeit aus den 1970er-Jahren sehe aber vor, dass der jetzige Weg nur für den Unterhalt der Seilbahn benutzt werden dürfe.

Ohne Seilbahn keine Strasse also. Oder wie Ernst Frautschi, ein weiteres Vorstandsmitglied des Vereins, folgert: «Entweder eine Bahn und eine Lodge oder nichts von beidem.» Die Freunde des Rellerli haben ein Gutachten eingeholt, das die Auslegung der Erschliessungsfrage stützt. Auch die Finanzierung von 12 Millionen Franken für eine neue Gondelbahn soll kein Problem darstellen.

Eine Schwierigkeit gibt es aber doch: Bertarelli von der Idee zu überzeugen. Der Wahlsaaner müsste nicht nur von seinem Vorkaufsrecht für die Talstation Gebrauch machen, sondern sich auch damit abfinden, dass nach wie vor Touristen, Wanderer, Ausflügler und im Winter Skifahrer das Rellerli aufsuchen würden. Mit einer geschickten Planung liesse sich neben dem Lodge-Bereich ein öffentlich zugängliches Restaurant mit Aussichtsterrasse realisieren, sagt Baur. Bertarelli sollen jederzeit exklusiv vier Gondeln zur Verfügung stehen. Am einheimischen Frautschi, der einer von Bertarellis Bergführer und Skilehrer war, ist es nun, dem Multimillionär die Pläne des Vereins näherzubringen. Er werde mit Bertarelli Kontakt aufnehmen, sagt Frautschi.

Es gibt einen Plan B

Die Ideen des Vereins scheinen viele in der Region aber auch zu verärgern. Man will es sich offensichtlich nicht mit Bergbahn-Sanierer und Steuerzahler Bertarelli verscherzen. Zudem gibt es auch Zweifel daran, ob die Erschliessung einer privaten Lodge ohne Seilbahn wirklich ein Problem wäre. In Bezug auf das Rellerli ist die Stimmung im Saanenland so schlecht, dass die meisten am liebsten gar nichts mehr dazu sagen.

So stellen sich Gemeindebehörden und Bergbahnen wortkarg hinter den Beschluss der Gemeindeversammlung. Nur von Kerstin Sonnekalb, Sprecherin der Ferienregion Gstaad Saanenland, gibt es im Namen des Tourismusbüros und der Bergbahnen eine Stellungnahme. Die Konzession der Rellerli-Gondelbahn laufe ohnehin Ende 2018 aus, sagt sie. «Aus touristischer Sicht ist das Rellerli zwar ein schöner Mosaikstein. Die Gstaader Bergwelt bietet jedoch auch andere lohnende Alternativen.» Für die emotionalen Diskussionen in Schönried habe man zwar Verständnis. Aber Schönried habe auf der anderen Talseite mit Hornberg und Horneggli Ausflugsziele, an deren Attraktivitätssteigerung bereits gearbeitet würde.

Grundsätzlich fällt die Kritik am Tourismus im Saanenland bei Bergführer Ernst Frautschi hart aus. Alles sei vom Geld gesteuert, sagt er. «Die Region hat 40 Jahre Zweitwohnungs- und Spekulationszeit hinter sich, der Leerwohnungsstand ist gross», sagt er. Der Gast sei in der Vergangenheit oft nicht im Mittelpunkt gestanden. Frautschi und seine Mitstreiter im Verein sind deshalb überzeugt, dass Schönrieds Hausberg erschlossen bleiben soll. Wenn Bertarelli dafür nicht zu gewinnen sein sollte, gibt es auch bereits einen Plan B. Eine neue Gondelbahn könnte auch auf das Hugeli führen, das nur rund 800 Meter vom Rellerli entfernt liegt. (Der Bund)

Erstellt: 14.08.2017, 07:48 Uhr

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