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«Mehr Demokratie in der Wirtschaft fände ich angebracht»

Der Psychoanalytiker Peter Schneider spricht über den bösen Blick der Neidgesellschaft, erklärt, weshalb wir Vulkanen einfach nicht böse sein können, und plädiert für eine muntere Skepsis.

Simone Meier
Schaad

Wir wundern uns alle über das Geld, das so dreist in den Manager-Etagen der Grossbanken verlocht wird, und sind neidisch und hätten für unsere harte Büez auch gerne mehr. Und ich frage mich: Braucht es den Neid an sich eigentlich als Motor für unsere Leistungsgesellschaft? Ich brauchte ihn nicht; mir würde das Geld allein völlig reichen. Aber Ihnen wahrscheinlich meine Antwort nicht. Also: Neid ist ein heikler Affekt; gerade wenn er als Motor funktionieren soll, muss er diskret bleiben bzw. darf sich nur in seiner zivilisierten Form – als neidlos neidische Anerkennung äussern. Purer Neid spornt nämlich keineswegs automatisch zu eigenen Leistungen an, sondern vor allem dazu, die Leistungen anderer herabzusetzen oder zu zerstören. Der böse Blick vergiftet aber nicht nur die Seelen der Neider, er schüchtert auch die Beneideten ein. Eine lediglich durch Neid angetriebene Leistungsgesellschaft würde einer Schulklasse gleichen, deren Hauptbeschäftigung darin bestünde, dem Klassenprimus das Leben schwer zu machen, was den Klassenbesten dazu zwänge, mehr Zeit für die Beschwichtigung der neidischen Klassenkameraden als für die Hausaufgaben aufzuwenden. Man müsste also Herrn Dougan im eigenen Interesse neidlos seine 70 Millionen per anno gönnen, wenn . . .

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