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Mode kennt keine Moral

Es wird mehr Pelz getragen und weniger kontrolliert.

Nachschub für die Zwischenhändler: Ausstellungsstand an der Pelzmesse in Hongkong. Foto: Alex Hofford (EPA, Keystone)
Nachschub für die Zwischenhändler: Ausstellungsstand an der Pelzmesse in Hongkong. Foto: Alex Hofford (EPA, Keystone)

Gucci will seit diesem Jahr definitiv keinen mehr verwenden, Giorgio Armani schon länger nicht, so wie auch Ralph Lauren, Calvin Klein, Vivienne Westwood, Donatella Versace und Tommy Hilfiger. Aber die Mode macht, was sie will – und nicht was die Modemacher wollen. Die Pelzimporte in die Schweiz haben ein Niveau erreicht, das sie zuletzt vor einem Vierteljahrhundert hatten. Und nicht einmal die Deklarationspflicht wird befolgt. Tierschützer fördern Tausende von Pelzen zutage, die als «Kunstpelz» oder «tierfreundlich» etikettiert sind, aber aus Pelzfarmen stammen, die dem Tierwohl spotten.

Die Kundschaft pfeift drauf. In den letzten Wintern begegneten einem auf den Strassen lauter Ebenbilder von Roald Amundsen auf Südpolfahrt: Frauen und Männer mit buschigen Fellen an den Kapuzen dick gefütterter Parkas. Drei Jahrzehnte «Pelztragen ist Gewissensfrage» und reihenweise zu Tränen gerührte Designer, die dem Pelz entsagen – nichts hilft gegen den Modegott Trend.

Allerdings: Wundern sollte einen das nicht. Jeder Modetrend beginnt als Gegenentwurf zum gerade gültigen Stil. Er inszeniert sich als Revolution gegen die vorherrschende Vorstellung von Eleganz und fasziniert damit vor allem die Jungen. Jede neue Mode wird zunächst als hässlich empfunden, bricht mit dem Zeitgeist und damit auch mit dem, was für politisch korrekt gehalten wird. Das geht so, bis irrwitzig klobige Doc Martens und ausgefranste Löcher in den Hosen sogar in der Oper allgegenwärtig sind.

Mode ist das Gegenteil von Moral. Und darum, man muss es leider sagen, würde ein allgemeines Pelzimportverbot in der Schweiz das Gegenteil der guten Absicht bewirken. Je strikter die Gebote und Verbote des momentan geltenden Mainstreams, desto grösser die Verlockung, genau das Gegenteil zu tun und zu tragen.

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