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Monsieur und Monsieur durch den Bund der Ehe vereint

Vincent Autin und Bruno Boileau: Nach wochenlangen Demonstrationen und politischem Streit fand in Montpellier die erste Hochzeit von Homosexuellen statt.

Offiziell verheiratet: Vincent Autin (l.) und Bruno Boileau. (29. Mai 2013)
Offiziell verheiratet: Vincent Autin (l.) und Bruno Boileau. (29. Mai 2013)
AFP

Eine intime Hochzeitsfeier war es wahrlich nicht: Neben 200 Freunden und Verwandten hatten sich 300 Gäste aus Politik und Gesellschaft sowie 230 Journalisten aus aller Welt zur Eheschliessung von Vincent Autin und Bruno Boileau angemeldet. Historisch aber kann die live im Fernsehen übertragene Zeremonie im Rathaus von Montpellier auf alle Fälle genannt werden. Denn in der südfranzösischen Stadt wurde die erste Homo-Ehe in der Geschichte Frankreichs geschlossen.

«Es ist eine grosse Ehre, Ihnen zu sagen, dass sie durch den Bund der Ehe vereint sind» – der von Bürgermeisterin Hélène Mandroux gesprochene Satz war der Schluss- und Höhepunkt einer Zeremonie, auf die Schwulen und Lesben in Frankreich seit Jahren gewartet hatten.

Gegner der Homo-Ehe dagegen dürften mit den Zähnen geknirscht haben, monatelang hatten sie gegen die umstrittene Reform mobil gemacht. «Nach dem Hass ist es an der Zeit, über Liebe zu reden», sagte das Paar vor der Zeremonie mit Blick auf die heftigen Debatten und Demonstrationen, die Frankreich gespalten hatten.

Massendemonstrationen gegen Wahlversprechen

Dass in Frankreich ein Monsieur einen Monsieur und eine Madame eine Madame heiraten kann, ist seit zehn Tagen offiziell: Der sozialistische Staatschef François Hollande setzte am 18. Mai mit seiner Unterschrift das Gesetz zur Einführung der «Ehe für alle» in Kraft. Das französische Parlament hatte die hoch umstrittene Reform knapp einen Monat zuvor nach 136 Stunden erbitterter Debatte verabschiedet.

Hollande löste damit eines seiner zentralen Wahlversprechen ein – dass Schwule und Lesben sich das Ehe-Versprechen geben können. Doch er musste einen hohen Preis zahlen für seine erste grosse gesellschaftspolitische Reform, die auch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Ehepaare festschreibt. Nicht nur liefen die konservative Opposition und die katholische Kirche gegen das Vorhaben Sturm, immer wieder gingen auch hunderttausende Homo-Ehe-Gegner auf die Strasse. Zuletzt nahmen am Sonntag laut Polizei 150'000 Menschen an einer Grossdemonstration in Paris teil, die Veranstalter sprachen sogar von mehr als einer Million Demonstranten.

Rechtsextreme drohen mit Störmanövern

Überschattet wurden die Proteste der vergangenen Monate zunehmend von den Ausschreitungen gewaltbereiter Rechtsextremer – so auch am Sonntag, als 36 Menschen leicht verletzt wurden. Und radikale Homo-Ehe-Gegner wollen ihren Kampf nicht aufgeben. «Die Schlacht fängt gerade erst an. Sie wird bis zum Sieg geführt», erklärte unlängst eine Gruppierung, die sich in Anlehnung an die Freiheitsbewegungen im arabischen Raum Französischer Frühling nennt.

Die Behörden sind alarmiert. Innenminister Manuel Valls kündigte am Wochenende eine harte Linie gegen jene an, die Hochzeiten von Schwulen und Lesben stören wollen. «Es wäre nicht zu tolerieren, dass Individuen jene angreifen, die einen wichtigen Schritt in ihrem Leben vollziehen. Wir werden keine Störung der öffentlichen Ordnung dulden.»

Ort der Feier geheim

Die angespannte Lage wirkte sich auch auf die Hochzeit des 40-jährigen Autin und seines zehn Jahre jüngeren Freundes Boileau am Mittwoch aus, auch wenn beide während der Zeremonie erstaunlich entspannt wirkten. Dutzende Polizisten waren im Einsatz, um Störaktionen zu verhindern. Dem Plan des Paares, nach der Trauung vor dem Rathaus von Montpellier ihren Unterstützern zu danken, erteilten die Behörden eine Absage – keine Feiern im Freien, lautete die Devise.

Den Ort, an dem nach der Zeremonie mit rund 100 Gästen gefeiert werden sollte, hielt das Paar geheim. Und vor der Trauzeremonie ging ein anonymer Drohanruf ein – das Rathaus von Montpellier musste vor daraufhin durchsucht werden.

AFP/rub

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