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Nun sollen Eltern doch wieder helikoptern

Erziehungsexperten läuten eine neue Runde ein. Die Realität kommt darin immer noch nicht vor.

Vertrauen ist gut, ein Anhänger ist besser: Derzeit wird die möglichst engmaschige Betreuung von Kindern wieder gelobt.
Vertrauen ist gut, ein Anhänger ist besser: Derzeit wird die möglichst engmaschige Betreuung von Kindern wieder gelobt.
Lisa Stokes (Getty Images)

Jetzt sind also doch wieder die Helikopter-Eltern die besten: So stand es in der «Sonntagszeitung», die eine entsprechende Studie aufnahm. Warum das so sein soll, weiss ich nicht, ich habe nur den Titel gelesen. Ich werde auch weiterblättern, wenn nächste Woche ein anderer Experte in einer anderen Zeitung wieder das Gegenteil herausfindet. Weil mir der ganze Erziehungsalarmismus (‹wenn Sie dies oder das nicht tun oder lassen, wird Ihr Kind dumm, unglücklich, arm und kriminell›) auf die Nerven geht. Und weil bei all den schönen Theorien immer etwas vergessen geht: die Realität nämlich.

Diese Realität hat es nun mal an sich, dass sie sich nicht immer nach unseren Wünschen und Plänen richtet. Sie wären gern Vollzeitmutter oder -vater? Vielleicht müssen sie aus finanziellen Gründen dennoch arbeiten. Sie möchten gern arbeiten? Vielleicht finden Sie keinen Job oder nur einen, bei dem Sie oft ins Ausland müssen.

Es kann auch passieren, dass ein Elternteil plötzlich viel mehr oder weniger Spass an der Kinderbetreuung hat, als vorgesehen war. Und dann sind da noch all die äusseren Umstände: Man lebt in der Stadt oder auf dem Land. Hat ein Kind oder vier. Gesunde Kinder oder solche, die spezielle Betreuung brauchen. Viel Geld oder wenig. Die Grosseltern sind verfügbar oder nicht. Die Nachbarn mit Kindern im gleichen Alter sind nett/unmöglich/ziehen gerade weg. Die Krippe in der Nähe ist gut, weniger gut oder ausgebucht.

Pragmatische Lösung

Aus all diesen Konstellationen und Konstellatiönchen puzzelt man sich dann zusammen, was nie als allgemeingültiges Familienmodell taugen würde. Es ist halt einfach die pragmatische, persönliche Lösung, die immer wieder neu angepasst werden muss, je nachdem, wie sich die Kinder und die Jobs und alles drumherum entwickeln.

Aber das ist ganz in Ordnung so. Denn entscheidend ist nicht, wie ein Modell aussieht, sondern dass man das Beste draus macht: im Vertrauen darauf, dass das ausreicht, damit die Kinder glückliche, offene Menschen werden. Also solche, die sich zu helfen wissen, wenn etwas mal nicht ganz dem Ideal (oder dem Trend) entspricht. Und die selbstbewusst genug sind, um nicht im Zickzack all den Experten hinterherzurennen, die einem sagen, wie das einzig richtige Leben geht.

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