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«Putins Politik macht mich krank»

Herta Müller, Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin, sieht den russischen Präsidenten als Zerstörer nicht nur der Ukraine, sondern auch seiner eigenen Gesellschaft.

Mit Herta Müller sprach Andrea Seibel
Herta Müller: «Aus den Resten der alten Diktatur wollte Putin eine neue aufbauen. Das ist ihm gelungen.» Foto: Marko Priske (Laif)
Herta Müller: «Aus den Resten der alten Diktatur wollte Putin eine neue aufbauen. Das ist ihm gelungen.» Foto: Marko Priske (Laif)

Für viele Beobachter ist mit dem Mord an Boris Nemzow klar, dass sich Russland auf dem Weg in eine düstere Zeit befindet – auch wenn Putin verkündet, den Fall zu lösen.

Dass Putin sich «persönlich» um die Aufklärung kümmern will und einen seiner Kumpel als Chefermittler eingesetzt hat, ist eigentlich die offizielle Bestätigung dafür, dass es keine unabhängige Justiz gibt in Moskau, und ein Indiz, dass das Motiv des Mordes durch falsche Spuren vernebelt wird. Die Liquidierung poli­tischer Gegner gehört heute wieder zum Instrumentarium des russischen ­Geheimdienstes im In- und Ausland. Natalja Estemirowa, Alexander Litwinenko und wahrscheinlich auch der erhängte Boris Beresowski – kein Mord ist bis heute aufgeklärt worden. Auch wenn Putin den Auftrag nicht persönlich erteilt hat, bleibt dieser Mord das Resultat seiner irrwitzigen nationalistischen Propaganda, die immer hemmungsloser wird, seit er Krieg in der Ukraine führt.

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