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Religion als Stolperstein für die Integration?

Rund 15'000 junge Muslime sind in der Schweiz in religiösen Jugendgruppen aktiv. Forscher der Uni Luzern fragten sich, ob sie schlechter in die Gesellschaft integriert sind als andere muslimische Junge.

«Ein geschützter Raum, in dem sie sich nicht verteidigen müssen»: Mitglieder der Vereinigung der Islamischen Jugend Schweiz (VIJS) bei einer Podiumsdiskussion in Luzern. (Archivbild)
«Ein geschützter Raum, in dem sie sich nicht verteidigen müssen»: Mitglieder der Vereinigung der Islamischen Jugend Schweiz (VIJS) bei einer Podiumsdiskussion in Luzern. (Archivbild)
Keystone

Die religiöse Orientierung unter jungen Muslimen in der Schweiz ist kein Hindernis für die Integration. Vielmehr kann sie Austausch und Teilhabe an der Gesellschaft fördern. Diesen Schluss zieht eine Studie des Zentrums Religionsforschung der Universität Luzern.

Soviel vorweg: Man sei in den islamischen Jugendgruppen auf ganz normale junge Menschen gestossen, die auf dem Boden von Recht und Glauben stünden, hiess es an einer Medienkonferenz heute Dienstag in Luzern. Die Atmosphäre sei manchmal ähnlich wie in christlichen Jugendgruppen.

Kein «gesellschaftliches Wegdriften»

Auch gebe es, wie im Christentum, ein breites Spektrum von Frömmigkeit. Man habe keine Anhaltspunkte für ein gesellschaftliches Wegdriften, sagte Forschungsmitarbeiter Andreas Tunger. «Wir haben keine Bombenbastler gefunden.»

In der Schweiz leben heute zirka 440'000 Muslime. Rund ein Drittel davon gehört zur Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Den Anteil der Praktizierenden schätzt man auf 10 bis 15 Prozent. Ihnen stehen über 80 muslimische Jugendgruppen offen.

Moschee-gebundene und -unabhängige Gruppen

Das Zentrum Religionsforschung der Universität Luzern hatte hier eine Forschungslücke entdeckt. Insbesondere interessierte die Frage, ob die Teilnahme in solchen Gruppen die gesellschaftliche Eingliederung fördert oder behindert. Während zwei Jahren ging ein Team unter der Leitung von Professor Martin Baumann dieser Frage nach.

Gefunden wurden zwei Arten von Jugendgruppen: eine deutliche Mehrheit bilden die moschee-gebundenen Gruppen, die in national-kulturellen Bezügen und Traditionen (zum Beispiel bosnisch, albanisch, türkisch) leben; auf der andern Seite gibt es unabhängige Gruppen, die um ein übergreifendes und oftmals idealisierendes Verständnis einer islamischen Gemeinschaft bemüht sind.

Gemeinsam sei allen Jugendgruppen das Selbstverständnis, muslimisch zu sein und ihre Aktivitäten in einen religiösen Bezug zu setzen. Dies schlage sich etwa im Beachten von Speisevorschriften und oft auch in der Geschlechtertrennung bei Anlässen nieder.

Bei den national ausgerichteten, moschee-gebundenen Gruppen bildet neben dem Glauben die jeweilige Herkunftssprache eine gemeinsame Basis. Uni-Dozent Samuel Behloul vermutet, dass diese ethno-nationalen Gruppen auch in Zukunft bestehen bleiben, ähnlich wie die seit langem bestehenden italienischen und spanischen Organisationen in der Schweiz.

Basis für Brücke zur nichtmuslimischen Welt

Bei den moschee-ungebundenen Gruppen dagegen bildet die Schweizer Landessprache (deutsch, französisch) eine gemeinsame Basis. Deren Mitglieder verstünden sich, so Jürgen Endres, als Schweizer Muslime und nicht als türkische oder albanische.

In beiden Gruppen finden die Jugendlichen laut Studie einen geschützten Raum, in dem sie sich nicht gegen das in ihren Augen ungerechtfertigt schlechte Image des Islam verteidigen müssen. Hier könnten sie sich ihrer Identität versichern und ihre Erfahrungen austauschen. Auch gibt es konkrete Hilfsangebote für den Alltag, für den Umgang mit Behörden.

Auf der andern Seite können die Jugendlichen diese Gruppen auch nutzen, um in der Öffentlichkeit dem negativen Islam-Bild entgegenzutreten und durch soziale und gemeinwohlorientierte Aktionen eine Brücke nach aussen zu bauen. Als Beispiel wird die Mitorganisation des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags aufgeführt.

Die Studien-Verfasser formulieren auch Empfehlungen: Muslimische Jugendgruppen sollen vermehrt Projekte mit nicht-muslimischen Akteuren realisieren; die muslimischen Jugendgruppen sollen vermehrt von der Schule sowie der Jugend- und Sozialarbeit einbezogen werden; und die Medien sollen mehr aus der Lebenswelt junger Muslime berichten.

SDA/fko

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