Wie man Kinder blitzschnell zum Schlafen bringt

Der Schwede Carl-Johan Forssén Ehrlin hat ein Kinderbuch zum Einschlafen herausgebracht. Und damit einen weltweiten Bestseller gelandet.

Psychologische und linguistische Kniffe: Autor Forssén Ehrlin. Foto: PD

Psychologische und linguistische Kniffe: Autor Forssén Ehrlin. Foto: PD

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Kein Autor, der recht bei Trost ist, rühmt sich damit, dass die Konsumenten seiner Geschichten innert Minuten vom Schlaf übermannt werden. Carl-Johan Forssén Ehrlin schon. Mit «Das Kaninchen, das so gerne einschlafen will» schuf der Schwede die Antwort auf Millionen Stossgebete genervter Eltern, deren Nachwuchs selbst nach stundenlangem Vorlesen noch munter plappert und sich strampelnd gegen die Nachtruhe wehrt. Forssén hat mit dem Bilderbuchbändchen sogar einen historischen Bestseller gelandet. Die englischsprachige Ausgabe ist das erste im Selbstverlag herausgegebene Werk, das bei Amazon.com die Liste der meistverkauften Bücher anführt, weit vor dem US-Literaturereignis des Jahres, Harper Lees «Go Set a Watchman».

Forssén ist so überzeugt von seiner Schlummerfibel, dass er ihr eine Warnung voranstellt, wie sie sonst nur in Beipackzetteln von Psychopharmaka steht: «Lesen Sie dieses Buch niemals laut in Gegenwart von Personen, die gerade Auto fahren oder irgendein anderes Fahrzeug bedienen.» Seine Leser geben ihm recht. Der Vater eines Ruhelosen gesteht auf Amazon.com, sie seien beide «innert Minuten» entschlummert. «Meine dreijährige Nichte war vorher beim Vorlesen noch nie eingeschlafen», schreibt Tracey N. , «bei diesem Buch schlief sie schon nach der Hälfte ein.» Vier Ausrufezeichen.

Was ist der Trick? Forssén sagt selbstbewusst, er habe psychologische und linguistische Techniken auf völlig neue Weise in die Geschichte gepackt. Sie handelt von Kaninchen Konrads Weg in den Dämmerzustand. Während der Reise begegnen ihm Schnecke Schläfrig, Eule Müdeblick und schliesslich Onkel Sandmann. Auf den 26 Buchseiten kommen «schlafen» und «einschlafen» in einschläfernder Kadenz 85-mal vor, besonders häufig in immer derselben Wendung: «einschlafen, jetzt». Dazu wird der Vorleser angewiesen, an bestimmten Stellen leiser zu werden und immer wieder zu gähnen. Selbst den Namen des Kaninchens soll man gähnend aussprechen: «Koooonraaaaad!»

Das klingt irgendwie einfach. Aber Forssén musste seine Ideen zehn Jahre lang entwickeln, von der Notiz auf der Papierserviette bis zum fertigen Buch in sieben Sprachen (als Nächstes kommen Japanisch, Arabisch und Persisch an die Reihe). Obwohl er andere Selbsthilfebücher schon erfolgreich bei Verlagshäusern untergebracht hatte, mochte kein Verleger an das Projekt glauben. Der ehemalige Lehrer aus dem südschwedischen Huskvarna mit Weiterbildung in Psychologie und neurolinguistischem Programmieren verlegte selbst und baute auf Mundpropaganda. Gestern haben, wie er sagt, plötzlich auch Schweizer Verleger angefragt. Nachschub folgt: Wenn er seinen bald zweijährigen Sohn Leon in den Schlaf gelesen hat, arbeitet Forssén an einem neuen Titel, der das Selbstwertgefühl von Kindern stärken soll.

Erstellt: 17.08.2015, 19:26 Uhr

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