Schleimspur für alle

Die Firma Apple als Hüterin unserer Privatsphäre? Schön wärs.

iPhone-Besitzer sollen ihren Fummelkisten Geheimes anvertrauen. Foto: Yagan Kiely (Flickr)

iPhone-Besitzer sollen ihren Fummelkisten Geheimes anvertrauen. Foto: Yagan Kiely (Flickr)

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Erst hiess es, unmöglich. Doch dann ging es ganz fix. Die US-Bundespolizei FBI hat ein Smartphone der Firma Apple gehackt, um an die Nutzerdaten eines mutmasslichen Terroristen zu gelangen. Das gelang ihr allein, Apple verweigerte trotz einer Gerichtsorder jede Mithilfe. Die Entschlüsselung eines iPhones, schrieb CEO Tim Cook in einem offenen Brief, gefährde die Daten von Millionen unschuldigen Nutzern. Dafür wurde er in Europa wie Amerika gelobt. Apple gegen Schnüffelstaat.

Diese Sicht ist verkehrt. Apple geht es nicht um Bürgerrechte, sondern um Kundenbindung. iPhone-Besitzer sollen sich weiter wohlig sicher fühlen – und ihren kleinen Fummelkisten täglich massenweise Geheimes anvertrauen: Boardingpässe, Fingerabdrücke, Nacktfotos.

Unsere Sorglosigkeit im Umgang mit Handys ist frappant. Die Dinger wissen, wo wir sind und woher wir kommen. Nach Verkehrsunfällen werden SIM-Karten ausgewertet wie Flugschreiber. Wirklich wirksame Verschlüsselungen nutzen die wenigsten. Wir fühlen uns sicher und hinterlassen eine dicke Datenschleimspur.

Privatwirtschaft ist gut, der Staat böse

Dass es uns schreckt, wenn neben Apple, Google und Amazon nun auch der Staat sich an der Schleimspur laben will, ist seltsam. Als Durchschnittskonsument hat man Adresshändler und Werbepersonalisierer mehr zu fürchten als die Terrorabwehr.

Doch offenbar setzt sich in Europa durch, was in den USA seit der Unabhängigkeitserklärung gilt: Privatwirtschaft ist gut, der Staat böse. Die einen dürfen reich werden mit unseren Daten, die anderen sollen die Finger davon lassen. Die direkteste Folge des NSA-Skandals ist, dass Telefonverbindungsdaten in den USA heute von den Telecomfirmen statt vom Staat aufbewahrt werden. Super.

Es ist vernünftig, sich Sorgen um seine Daten zu machen. Doch wer dabei nur den Staat im Auge hat, ist naiv. Wo Schleim ist, wird gefressen.

Erstellt: 30.03.2016, 17:42 Uhr

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