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Sehr schlagfertig, sehr rechts

Die Trump-Wählerin Roseanne Barr spaltet die amerikanische Linke.

MeinungJean-Martin Büttner
Obwohl sie für Barack Obama stimmte, hat sie ihre politische Meinung geändert; als Donald Trump kandidierte, unterstützte sie ihn und tut das bis heute: Roseanne Barr.
Obwohl sie für Barack Obama stimmte, hat sie ihre politische Meinung geändert; als Donald Trump kandidierte, unterstützte sie ihn und tut das bis heute: Roseanne Barr.
Mario Anzuoni, Reuters

Sie hat einen runden Körper und ein breites Lachen, sie ist laut, schlagfertig, und sie hat keinen Respekt vor den Männern. «Hebt eure Arme, wenn ihr impotent seid», sagte sie bei einem ihrer Auftritte. «Ach so, die kriegt ihr auch nicht hoch?» Vor neun Jahren liess sie sich vom englischen Satiremagazin «Heeb» in einem Hitler-Kostüm fotografieren und buk dazu menschengeformte Lebkuchen, die sie in den Ofen schob, um an den Holocaust zu erinnern. «Heeb» ist ein jüdisches Magazin, Roseanne Barr selber Jüdin. «Ich machte mich nicht über die Opfer lustig», verteidigte sie sich, «sondern über Adolf Hitler.» Ein anderes Mal sagte sie, sie wolle in Israel als Premierministerin kandidieren. Ihr Humor, man darf das sagen, neigt zum Speziellen.

Die Stand-up-Komikerin, Autorin, Schauspielerin, Unternehmerin, Politikerin, Radio- und Fernsehmoderatorin wurde durch ihre Auftritte in der komödiantischen Serie «Roseanne» berühmt. Darin spielen sie und John Goodman ein lautes Paar mit Humor und ohne Geld. Die Serie produzierte 225 Folgen und ging um die Welt. Barr gab die Rolle einer hart arbeitenden, durch nichts zu beeindruckenden Mutter, ein Thema, von dem sie einiges versteht. Sie wuchs in Salt Lake City, Utah, in einer Arbeiterfamilie mit drei Geschwistern auf. Sie selber hat fünf Kinder und war viermal verheiratet.

Video: Roseanne Barr im Interview

Jetzt sorgt die 65-Jährige wieder für Aufregung. Obwohl sie lange Jahre für die Grüne Partei und dann die «Peace and Freedom Party» aktiv war und für Barack Obama stimmte, hat sie ihre politische Meinung geändert; als Donald Trump kandidierte, unterstützte sie ihn und tut das bis heute, offen und aktiv. Das tut auch ihre Figur Roseanne, die nach zwanzig Jahren für eine zehnte Staffel reanimiert wurde. Ende März kamen die beiden ersten Folgen im Fernsehen, die Kritiken urteilten überwiegend positiv, die Ausstrahlungswerte waren phänomenal.

Roseanne repräsentiere jene Leute aus der Arbeiterklasse, die sich von den Demokraten ignoriert oder gar verachtet fühlten.

Seither hat die amerikanische Linke ein Problem und streitet öffentlich darüber, wie das Magazin «The Atlantic» rapportiert. Die einen loben die reaktionäre Entwicklung von Roseanne Barr als Abbild dessen, was in Amerika passierte, wo auch viele Frauen sich für Trump entschieden, obwohl er sich dermassen abschätzig, geradezu gewalttätig über sie geäussert und auch danach gehandelt hatte. Sie argumentieren, dass Roseanne jene Leute aus der Arbeiterklasse repräsentiert, die sich von den Demokraten ignoriert oder gar verachtet fühlten. Und denen Trump alles Gute für Amerika versprochen hat.

Die Gegenseite argumentiert, Roseanne Barr normalisiere Trump und seine Ideologie. Ihrer Figur werfen sie vor, sie feiere ihre eigene Dummheit. Aber wie eine Leserin die Debatte kommentierte: «Um eine landesweite Wahl zu gewinnen, müssen die Demokraten die Roseannes dieser Welt verstehen. Und sie überzeugen.»

Trump jedenfalls findet die neue Staffel toll.

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