Sie war erst 13 Jahre alt

Kinderehen: Wie sich indische Mädchen wehren können.

Eine 14-jährige Braut hält mit dem Bräutigam Hochzeitsrituale ab, Rajgarh, Indien (2017). Bild: Keystone

Eine 14-jährige Braut hält mit dem Bräutigam Hochzeitsrituale ab, Rajgarh, Indien (2017). Bild: Keystone

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Weltweit gehen die Kinderehen zurück, meldet das UNO-Kinderhilfswerk Unicef, besonders in Südasien, wo dank strengeren Gesetzen innert zehn Jahren gegen 25 Millionen solcher Ehen verhindert werden konnten. Im Fall der jungen Monika, wie die BBC in einer Reportage erzählt, kam die Rettung nur Momente vor der Heirat.

Ihre Familie lebt in einem ärmlichen Vorort von Bikaner im nordindischen Bundesstaat Rajasthan. Die Eltern, die fünf Töchter haben, wollten Monika mit einem 22-jährigen Mann verheiraten. Sie selber wollte nicht, auch weil sie wusste, dass sie den Haushalt und vieles andere hätte verrichten müssen, ohne je zur Schule gegangen zu sein. Monika war 13 Jahre alt.

Eltern können sich nur Buben leisten

Am Hochzeitstag lieh sie sich das Handy ihrer Grossmutter aus und wählte die Notfallnummer von Childline, einer Hilfsorganisation. Diese bot die Polizei auf, die bei der Familie auftauchte und die Hochzeit verbot; Kinderehen sind in Indien seit zwölf Jahren untersagt. Statt das Gesetz zu respektieren, verschoben die Eltern den Ort der Zeremonie. Monika rief erneut die Hilfsorganisation an, diese bot noch einmal die Polizei auf. Diesmal trauten sich die Eltern nicht mehr, die Hochzeit abhalten zu lassen.

Monikas Eltern seien nicht herzlos, schreibt die Reporterin der BBC. Aber sie stammen aus der Valmiki-Kaste, die zu den Unberührbaren gehört und in ihrer Geschichte oft verfolgt wurde. Und da in Indien die Eltern der Braut immer noch eine Aussteuer entrichten müssen, obwohl auch diese Praxis seit langem verboten ist, kann diese sie in den Ruin treiben. Es ist schon vorgekommen, dass die Familie des Bräutigams die Mitgift annahm und die junge Frau trotzdem verstiess.

Manche Mädchen kommen gar nicht so weit, denn ihre Mütter treiben sie ab oder töten sie bei der Geburt; sie können sich nur Buben leisten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2018, 20:12 Uhr

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