Sind wir die Letzten unserer Spezies?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Klimawandel.

Nach uns die Sintflut? Oder etwas anderes? Foto: Mark Schiefelbein (AP, Keystone)

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Man kann nicht behaupten, dass wir gar nichts tun gegen die Klimaerwärmung. Aber wenn es zu spät ist – sind wir vielleicht die Letzten unserer Gattung? Wenn ja, ist dies denn so furchtbar? Ich vermute, bald kommen andere, mutierte Wesen, die sich in den veränderten klimatischen Verhältnissen besser zurechtfinden als wir. Hätten Sie uns noch ein paar tröstende Worte auf den Weg zum Niedergang? L. R.

Lieber Herr R.

Prognosen sind sehr schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Der Satz ist leider nicht von mir, aber er trifft trotzdem den Nagel ziemlich auf den Kopf. Die Tatsache der menschengemachten Klimaerwärmung anzuerkennen ist das eine; darüber zum Apokalyptiker zu werden, das andere. Das andere folgt nicht zwangsläufig aus dem einen. Ausserdem ist es – wie so oft – irreführend, einfach von «wir» zu sprechen. Die Klimaerwärmung ist kein Meteoriteneinschlag, der «uns alle» vernichten wird, wenn Bruce Willis und seine Crew «uns» nicht doch noch im letzten Moment ­retten. Sie ist vielmehr ein menschheitsgeschichtlich zwar schneller Prozess, der sich jedoch so langsam vollzieht, dass man noch korrigierend eingreifen kann.

Der Klimawandel betrifft nicht alle Regionen und nicht alle Menschen der Welt in gleicher Weise. Das heisst, er verwandelt die Welt keineswegs in eine allumfassende Solidargemeinschaft, in der alle Einzelinteressen zugunsten eines einzigen Interesses eingeschmolzen sind. Auch der Klimawandel kennt noch Parteien, Klassen und Nationen, auch wenn es ein beliebter Topos in Katastrophenszenarien ist, dass angesichts einer weltweiten Bedrohung alle Menschen plötzlich zusammenhalten.

Kein Grund zur Panik

Ihre Idee, dass die Erwärmung des Klimas vielleicht Mutationen begünstigen könnte, aus denen Generationen ­hitzetauglicherer Menschen entstehen, finde ich originell. Allein auf die genetische Verbesserung des Menschengeschlechts würde ich allerdings nicht hoffen. Was aber bleibt zum Trost auf dem Weg nach Armageddon? Was halten Sie davon: Die Lage mag zwar ernst sein, aber selbst Trumps Kündigung des Abkommens von Paris hat nicht alle Hoffnungen auf eine Verlangsamung des ­Klimawandels zunichtegemacht. Es gibt politisch errungene Erfolge hin zu einer Reduktion des CO2-Ausstosses, und es wird wohl noch weitere geben. Der Klimawandel und die Reaktionen darauf sind ein globaler Feldversuch mit vielen Parametern und entsprechend vielen Interventionsmöglichkeiten. Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Anlass zur Panik. Bange machen gilt nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.07.2017, 20:42 Uhr

Peter Schneider

Der Psychoanalytiker beantwortet jeden Mittwoch Fragen zur Philosophie des Alltagslebens. Senden Sie uns Ihre Fragen an gesellschaft@tagesanzeiger.ch.

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