So teuer sind Kinder-Hobbys

Freizeitbeschäftigungen sind wichtig für die Entwicklung von Kindern. Welche am beliebtesten sind, zeigt eine neue Befragung.

Auf Platz 2 der häufigsten Hobbys von Kindern: Ein Instrument spielen.

Auf Platz 2 der häufigsten Hobbys von Kindern: Ein Instrument spielen. Bild: Keystone

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Mit dem neuen Schuljahr beginnt die Qual der Wahl: Welches Hobby soll es denn für die Kinder sein? Fussball oder Flöte? Tanzen oder Trompete? Sport oder Spiel oder besser etwas anderes Musisches? Allein oder mit anderen? Spass oder Bildung? Einmal pro Woche oder öfter? Trainieren mit einem Leistungsanspruch vor Augen oder einfach aus Freude am Zeitvertreib?

Neun von zehn 10- bis 14-Jährige haben ein Hobby

Oder vielleicht besser gar kein Hobby? Immerhin beschränken sich Stresssymptome schon lange nicht mehr nur auf Erwachsene. Jedes dritte Schweizer Schulkind soll davon betroffen sein, was aber nicht nur an den Anforderungen in der Schule liegt, sondern auch an der Zeit dazwischen. Manche Kinder haben eine fast schon managermässig volle Agenda, weil ihre Freizeit durchgetaktet ist mit Hobbys aller Art – meist mit dem elterlichen Ziel, dass die Kleinen parallel zur Schule möglichst breit und gezielt gefördert werden.

In der Gruppe der 10- bis 14-Jährigen hat fast jedes Kind ein Hobby: Nur gerade eines von zehn ist hobbylos. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die der Online-Marktplatz Tutti.ch in Auftrag gegeben hat. Eltern von 424 Kindern wurden dazu im Juli befragt. Bereits bei den Allerkleinsten, also den 1- bis 4-Jährigen, betreibt jedes vierte Kind ein Hobby, bei den 5- bis 9-Jährigen sind es bereits 72 Prozent und bei den 15- bis 19-Jährigen 78 Prozent.

Hobbys kosten 114 Franken monatlich

Sportliche Hobbys sind die absoluten Spitzenreiter unter den Freizeitbeschäftigungen: Vier von fünf Kindern treiben in ihrer Freizeit Sport – in der Befragung gaben die meisten Eltern an, dass ihre Kleinen turnen, im Leichtathletikverein sind, Fussball spielen oder schwimmen. Am zweithäufigsten lernen sie ein Instrument – Flöte vor Klavier vor Gitarre –, und auf Platz 3 der Freizeitbeschäftigungen folgen Spiele und Games. Durchschnittlich lassen sich die Eltern die ausserschulischen Tätigkeiten ihrer Kinder monatlich 114 Franken kosten.

Die Mehrheit betreibt ihr Hobby mehrmals pro Woche. Zum Abschalten, zum Austoben, um sich mit anderen zu messen oder um kreativ zu sein. Da sportliche und musische Fächer in der Schule im Vergleich zu kopflastigen Fächern meist vernachlässigt werden, ist es sinnvoll, die entsprechenden Fähigkeiten und Interessen in der Freizeit zu stärken und zu fördern – ohne den Leistungsdruck im Vordergrund. Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Fairness oder Disziplin entwickeln sich dabei oft von selbst.

Nichtstun ist ebenso wichtig

Doch wie viele Freizeitbeschäftigungen sollten es sein, und was ist zu viel? 64 Prozent der befragten Eltern fanden, dass Kinder heutzutage wegen der schulischen Auslastung gar nicht mehr viel Zeit für Hobbys haben. Generelle Regeln gibt es keine, das hängt ganz von der Belastbarkeit und den Interessen des jeweiligen Kindes ab. Experten empfehlen als Faustregel nicht mehr als zwei regelmässige Hobbys – und dass daneben noch genügend Zeit bleibt fürs Nichtstun und das freie Spiel. Für die kognitive Entwicklung von Kindern gilt dies als überaus wichtig.

Die Pro Juventute liess vergangenes Jahr vom Marktforschungsinstitut GFK Switzerland das Freizeitverhalten von Kindern untersuchen mit dem Fokus auf das freie Spielen. Durchschnittlich 47 Minuten täglich verbringen Kinder in der Schweiz heutzutage noch spielend draussen, eine knappe halbe Stunde davon ohne Aufsicht. Jedes sechste Kind hatte an den Tagen der Internetbefragung gar nicht draussen gespielt und insgesamt 20 Prozent nur unter Aufsicht. Zu wenig, bemerkte die Pro Juventute und fordert mehr Möglichkeiten für freies Spielen.

(dj)

Erstellt: 22.08.2017, 09:01 Uhr

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