So wirken Sie intelligenter

Rote Kleidung, konzentriertes Zuhören und von Zeit zu Zeit ein wissendes Nicken: Diese Tricks lassen Menschen schlauer erscheinen.

Was macht klug? Vergessen Sie Brillen aus Fensterglas, und  verzichten Sie auf komplizierte Fremdwörter. Illustration: Alexandra Gornag

Was macht klug? Vergessen Sie Brillen aus Fensterglas, und verzichten Sie auf komplizierte Fremdwörter. Illustration: Alexandra Gornag

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Soso, Sie möchten also intelligenter wirken. Da stellt sich doch gleich die Frage: warum? Weshalb möchten Sie nur intelligenter wirken, statt intelligenter zu werden? Möglicherweise glauben Sie, für Letzteres sei der Zug bei Ihnen sowieso abgefahren. Doch mit der richtigen Lektüre und einer neugierigen Einstellung dem Leben gegenüber wäre da bestimmt noch Luft nach oben. Neurologen behaupten jedenfalls, das Gehirn sei wie eine Art Bizeps, der bis ins hohe Alter trainiert werden kann.

Aber nun gut, diesen steinigen Weg möchten Sie nicht gehen. Da befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Viele Leader aus Politik und Wirtschaft wirken wesentlich intelligenter, als sie tatsächlich sind. Manche wirken sogar nicht einmal intelligent und kommen trotzdem prima über die Runden. Intelligenz ist heutzutage kein Muss mehr, kommt aber bei Frauen und Arbeitgebern alter Schule nach wie vor gut an, weshalb es sich durchaus lohnen könnte, wenigstens so zu tun, als wäre man klug.

Wer seinem Gesprächspartner in die Augen schaut, wird viel intelligenter eingeschätzt.

Vergessen Sie Brillen aus Fensterglas. Seit Sehhilfen zum Modeaccessoire avanciert sind, sieht jede Nageldesignerin aus wie eine Chefintellektuelle. Das war dem Nimbus der Brille sehr abträglich. Möglicherweise könnten Sie jedoch mit der richtigen Kleiderfarbe punkten. Schwarz und Rot machen laut Studien klug (ja, auch mit so etwas beschäftigt sich die Wissenschaft!). Pink und Gelb haben die gegenteilige Wirkung, und Braun ist suboptimal. Aufgepasst also mit Paradiesvogel-Outfits. Damit können Sie vielleicht im Strassenverkehr auffallen, nicht jedoch bei den Entscheidungsträgern, die Sie zu beeindrucken hoffen. Piercings und Tattoos sollten auf keinen Fall zu sehen sein, es sei denn, Sie möchten, dass man Sie dem Prekariat zuordnet.

Viel entscheidender als das Äussere ist Ihr Verhalten. Sie verstehen nicht, wovon gerade geredet wird? Dann hören Sie doch einfach zu. Konzentrierte Zuhörer wirken gleich viel klüger, vor allem, wenn Sie Ihrem Gegenüber die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken – ein Luxuserlebnis, das man nicht alle Tage hat. Wer seinem Gesprächspartner in die Augen schaut, wird generell viel intelligenter eingeschätzt, das ergab eine Studie der kalifornischen Psychologieprofessorin Nora A. Murphy. Dazu von Zeit zu Zeit ein wissendes Nicken oder zustimmendes Murmeln – mehr braucht es nicht.

Die beste Wirkung auf andere erzielen Sie, wenn Sie tatsächlich überzeugt davon sind, intelligent zu sein. Doch würden Sie diesen Artikel lesen, wenn Sie sich da so sicher wären? Vielleicht befürchten Sie, es sei bloss eine Frage der Zeit, bis man Sie als Hochstaplerin enttarnt, die nur durch einen glücklichen Zufall zu ihrem Job gekommen ist – eine besonders unter Frauen weit verbreitete Angst. Oder Sie halten sich insgeheim sogar für dumm. Was Sie eigentlich bräuchten, wäre eine anständige Portion Selbstvertrauen.

Vielleicht beruhigt es Sie, dass selbst den Allerklügsten unter uns solche Gefühle nicht fremd sind. Vor einiger Zeit interviewte ich einmal die Schweizer Harvard-Professorin Iris Bohnet, eine erwiesenermassen sehr intelligente Frau. Erfrischenderweise erzählte mir Frau Bohnet – ohne Bedenken, dass dadurch etwas von ihrem akademischen Glanz abbröckeln könnte –, wie eingeschüchtert sie war, als sie damals als frischgebackene Professorin in Harvard anfing. Da hatte sie es bis in den Olymp geschafft, war umgeben von Nobelpreisträgern und Starintellektuellen, und alles, woran sie denken konnte, war ihre Angst, an diesem ihr heiligen Ort den Ansprüchen nicht zu genügen. Vermutlich gehören solche Gefühle einfach zum Leben mit dazu. Jeder scheint bisweilen unter ihnen zu leiden. Nur die ganz Dummen bleiben davon verschont.

Intelligenter wirken – so klappts:

Die Stolperfallen für Anfänger
Benutzen Sie keine komplizierten Fremdwörter wie idiosynkratisch oder ektomorph, um andere Menschen damit einzuschüchtern. Das wirkt nicht intelligent, sondern nur versnobbt. Lateinische Ausdrücke verleihen Ihnen zusätzlich etwas Muffig-Angestaubtes.

Die Stolperfallen für Fortgeschrittene
Schummeln Sie nicht bei der Doktorarbeit. Die Angst, dass das irgendwann rauskommt, würde Ihnen zeitlebens wie ein bissiger kleiner Köter im Nacken sitzen – vor allem, wenn Sie vorhaben, prominent zu werden. Kontraproduktiv sind ausserdem Ehrendoktorwürden von Fantasieuniversitäten sowie diplomatische Titel aus Ländern, die es mit der Demokratie nicht so genau nehmen.

Der Königsweg, für alle
Legen Sie sich ein solides Halbwissen zu möglichst vielen Themengebieten zu, mit dem Sie bei passender Gelegenheit protzen können. Besonders hilfreich sind hier Zeitungen und Magazine. Ein einziger Artikel über die String-Theorie, den Sie mal gelesen haben, reicht schon für einen Auftritt als Instant-Physiker. Der Rest der Tischrunde glaubt immer noch, es ginge um diese sagenhaft unbequemen Unterhosen und wird ehrfurchtsvoll zu Ihnen aufschauen.

Die elegante Alternative
Reden Sie weniger. So wenig, dass, wenn Sie dann doch mal etwas sagen, jedes Wort von Ihnen als kostbare, lange erwartete Preziose aufgenommen wird. Nur Dumme sprechen alles aus, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Der wahrhaft Intelligente kennt sich aus in der Kunst, den Mund zu halten.

Die professionelle Alternative
Stellen Sie Fragen – so wie es Angela Merkel oder Prinz William tun, wenn sie auf ihren offiziellen Reisen eine Kunsttöpferei, einen Autozulieferer oder ein Waisenhaus für Kriegsflüchtlinge besuchen. Intelligent wirkende Menschen müssen nicht alles wissen, aber sie sollten den Eindruck vermitteln, stets mehr erfahren zu wollen – selbst wenn das Interesse bloss geheuchelt ist.

Erstellt: 25.09.2019, 17:14 Uhr

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