Soll man Promis grüssen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema prominente Persönlichkeiten.

Popstar Rihanna grüsst einen Fan während der Premiere des Films «Battleship» in Los Angeles. Bild: Chris Pizzello (Keystone)

Popstar Rihanna grüsst einen Fan während der Premiere des Films «Battleship» in Los Angeles. Bild: Chris Pizzello (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kürzlich sah ich beim Nachtessen in einem Restaurant eine sehr prominente Person. Um sie in Ruhe essen zu lassen, habe ich sie beim Vorbeigehen nicht gegrüsst. Im Nachhinein denke ich jedoch, dass das ja auch nicht nett war. Was meinen Sie dazu?
K. Z.

Liebe Frau Z.,

Wir müssen hier zwecks einer sanften Herangehensweise an die Problematik eine fein säuberliche Auslegeordnung vornehmen. Die da folgendermassen aussieht: Erstens verhält es sich so, dass Sie der sehr prominenten Person gänzlich unbekannt sind. Das Begrüssen wäre also ein einigermassen einseitiger Vorgang gewesen. Was, zweitens, wiederum heisst, dass die sehr prominente Person Sie, wenn Sie mir meine Direktheit nachsehen wollen, vermutlich gar nicht wahrgenommen hat und deshalb, drittens, nicht betupft sein konnte durch die Ihrerseits ausbleibende Begrüssung.

Das wurde, viertens, von der sehr prominenten Person eventuell sogar überaus geschätzt, denn sie befand sich ja in einem Restaurant, war also in privater Mission unterwegs – und «privat» ist ein Begriff, der einem heilig sein sollte. Er ist eng verwandt mit dem Begriff der «Diskretion», der einem ebenso heilig sein sollte, denn es gilt der Merksatz: Diskretion ist immer chic. Das führt uns geradewegs zum fünften Punkt, denn womöglich fühlten sich vor Ihnen schon zahlreiche andere Restaurantbesucher bemüssigt, der sehr prominenten Person Hallo zu sagen, weshalb diese kaum zum Essen kam und bald grantig in ihrem mittlerweile lauwarmen Teller herumstocherte und den Abend als unbefriedigend empfand, zumindest in kulinarischer Hinsicht.

Wir wollen die Aufmerksamkeitssucht nicht fördern.  

Zusammengefasst können wir festhalten: Sie haben das tadellos gemacht. Es war nett und umsichtig und rücksichtsvoll und höflich von Ihnen, NICHT zu grüssen, sondern den berühmten Mitmenschen einfach in Ruhe zu lassen. Es könnte jetzt natürlich sein, dass sich besagte VIP auf dem absteigenden Ast befindet und Zuspruch und Fantum nötig gehabt hätte, ja, dass sie sich nachgerade grämte ob der ausbleibenden Schlangenbildung zu Huldigungszwecken an ihrem Tisch. Dies darum, weil die Prominenz nun mal nicht selten über eine narzisstische Ader verfügt.

Aber selbst dann hätten Sie recht daran getan, unbeteiligt an der sehr prominenten Person vorbeizugehen. Denn wir haben hier in dieser unserer kleinen Rubrik eindeutig einen edukatorischen Auftrag, und der besteht in diesem konkreten Fall darin, dass wir Aufmerksamkeitssucht nicht fördern wollen.


Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch

Erstellt: 23.07.2017, 19:00 Uhr

Artikel zum Thema

«Sogar meine Mutter kennt Vujo»

Bellevue Michel Pernet baute mit seiner Zürcher Agentur einst Schweizer Promis auf. Er weiss, was es braucht, um im Gespräch zu bleiben. Mehr...

Promis auf Polizeifotos: Die Augen auf Halbmast

Mugshots sind in den USA viel mehr als nur Haftfotos. Sie sind der rote Teppich der Promi-Rebellen – und der moderne Pranger, an dem gefallene Weltstars wie Tiger Woods gedemütigt werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Animalische Athletik: Ein Tiertrainer im Zoo von Sanaa, Jemen, reizt eine Löwin so sehr, dass sie wortwörtlich die Wände hochgeht. (Januar 2020)
(Bild: Mohamed al-Sayaghi) Mehr...