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Sollten Skirennen verboten werden?

Die grossen Skirennen finden immer öfter auf beschneiten Pisten statt – umgeben von braunen, schneelosen Flächen.

Meinung
Alles Kunstschnee. Diese Piste am Chuenisbärgli musste für die Internationalen Adelbodner Skitage wochenlang beschneit werden. Foto: Peter Schneider (Keystone)
Alles Kunstschnee. Diese Piste am Chuenisbärgli musste für die Internationalen Adelbodner Skitage wochenlang beschneit werden. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Andreas Tobler

Redaktor Kultur

Ja

Von einem überkochenden Zuschauerkessel war die Rede, nachdem Daniel Yule vergangenes Wochenende am Chuenisbärgli das Rennen gewann – nach einer 12-jährigen Durststrecke, in der kein Schweizer mehr in Adel­boden aufs Podest steigen konnte. Tatsächlich war Yules Siegesfahrt beeindruckend. Aber was man dabei auch nur zu gut sehen konnte, waren braune, schneelose Flächen links und rechts der Piste, die fast immer in den Blick kamen, wenn eine der Kameras ein wenig schwenken musste.

Wenn man sich die Webcam-Bilder aus dem Zielraum des Lauberhorns anschaut, sieht es da ganz ähnlich aus: zu wenig Schnee, damit ohne Einsatz von Schneekanonen am Samstag die grosse Lauberhornabfahrt stattfinden könnte. «Alles Kunstschnee», bestätigt der Rennleiter in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

Eigentlich gibt es da nur noch eine mögliche Schlussfolgerung: Skirennen wie in Adelboden und Wengen gehören verboten, dürfen nicht mehr stattfinden. Denn was ist das für ein Wahnsinn, Schneekanonen anzuwerfen, damit in den Schweizer Bergen doch noch winterlich anmutende Sportmärchen geschrieben werden können? Hinzu kommen Athleten aus fast der ganzen Welt – und Zuschauer mit ebenfalls grossem ökologischem Fussabdruck.

Ganz schön kindisch – und verantwortungslos.

Und wofür das alles? Damit Adelboden und Wengen sich im Fernsehen als Wintertourismusorte präsentieren können, obwohl sie dies mangels natürlichem Schnee gar nicht sind?

Um unser patriotisches Herzchen etwas «böpperle» zu lassen, wenn die Bestzeit an einen Fahrer geht, der zufällig auch einen Schweizer Pass hat wie einige von uns? Für ein wenig Zuschauer-Action? Ernsthaft? Das ist doch ganz schön kindisch – und verantwortungslos in einer Zeit, in der selbst alltäglichste Verrichtungen angesichts des Klimawandels hinterfragt werden. Wie lässt sich da noch etwas höchst Überflüssiges wie ein Skirennen rechtfertigen? Eben gar nicht, wenn kein Schnee fällt. Dann findet halt kein Skirennen statt. So einfach ist das. Oder schlicht: vernünftig.

Philippe Zweifel

Stv. Ressortleiter Kultur

Nein

Kein Schnee, kein Skirennen: Nach dem Slalom am Adelbodner Chuenisbärgli, wo die Farbe Grün-Braun dominierte, ist das auf den ersten Blick eine logische Argumentation. Auf den zweiten: lückenhafter als die Schneedecke, die bemängelt wird. Das Ziel des Chuenisbärgli-Rennens liegt auf nur knapp 1300 Metern: Klar, dass es da nicht immer Schnee hat. Hatte es schon vor 50 Jahren nicht.

Gewiss, der Klimawandel ist real, einige tief gelegene Skigebiete können den Laden irgendwann dichtmachen. Vielleicht hat das Chuenisbärgli als Austragungsort in ein paar Jahrzehnten also wirklich ausgedient, weil man aus ästhetischen Gründen auf höher gelegene Wintersportorte ausweicht.

Wieso man diesen Vorgang mit einem Verbot beschleunigen will, ist mir allerdings schleierhaft. Denn selbst wenn das Chuenisbärgli das ganze Jahr über ein grüner Hügel sein sollte, warum sollten darauf keine Skirennen veranstaltet werden? Die paar Hundert Meter Kunstschnee sind energietechnisch keine Katastrophe, Skirennen sind nicht mit Skifahren als Breitensport vergleichbar.

Auch Kultur- und andere Veranstaltungen finden in geheizten Gebäuden statt.

Wobei auch Letzterer immer nachhaltiger wird, die ersten Skigebiete sind bereits klimaneutral. Solche Finessen interessieren freilich nicht, wenn sich Moralisten in der frohen Aussicht auf ein weiteres Verbot einmal in Rage geredet haben. Ein Skirennverbot hat nichts mit Klimaschutz zu tun, sondern ist populistischer Aktionismus.

Ein Skirennen, auch auf Kunstschnee, ist ein Ereignis wie jeder andere Sportanlass. Ausnahmekönner messen sich, ein Spektakel für die Zuschauer. Wie Fussball, Basketball oder Tennis, wobei die Unterlage deutlich umweltfreundlicher ist als eine klimatisierte Sporthalle oder ein Stadion. Bevor nun gleich alle Sportarten verboten werden sollen: Auch Kultur- und andere Veranstaltungen finden in geheizten Gebäuden statt.

Für Millionen Zuschauer, die klimaneutral vor dem TV Skirennen verfolgen, sind die hoch athletischen Wettkämpfe aber ungleich spannender. Statt zu nörgeln, dieses Wochenende also lieber am Lauberhorn mitfiebern. Hopp, Daniel Yule!

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