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Sparst du noch oder lebst du schon?

Sparen lohnt sich nicht mehr. Stellen Sie sich vor, wir würden einfach damit aufhören. Ach wie süss wäre das Leben – denken Sie jetzt.

Einfach mal alles raushauen und feiern! So gar nicht unsere Art.
Einfach mal alles raushauen und feiern! So gar nicht unsere Art.
iStock

Auf Sparkonten gibt es so gut wie oder sogar gar keinen Zins mehr. Passend dazu sagte eine Frau kürzlich in die «10vor10»-Kamera: «Ich muss kein Geld sparen, ich muss es ausgeben!»

Diese Vorstellung ist ehrlich gesagt ein wenig furchteinflössend. Nicht, weil die paar Franken Zins wegfallen. Sondern weil das Sparen eine Art zügelnde Wirkung auf uns Schweizerinnen und Schweizer hat. Von Kindesbeinen an haben wir uns im Zimmer eine besondere Ecke für das Sparschwein reserviert (oder erinnern Sie sich an diese Spareule, die war sogar aus schönem Holz).

Sparen sagt uns: Sei nicht zu ausschweifend, übe dich in Bescheidenheit, vielleicht sogar Selbstgeisselung, protze nicht, sei überlegt, denke voraus, investiere in deine Zukunft, eine gute Zukunft – wenn du genug sparst.

Höchstens ein paar Mal im Jahr brechen wir aus. Auf einen Tätsch den halben Monatslohn versoffen, was für eine Nacht. Oder dann die einen grossen Ferien, vielleicht Honeymoon mit Safari, Privatstrand und Sternemenü und so. Zu Hause ist dann gleich wieder Schluss. Kantinenessen, sogar Tupperware.

Und jetzt sollen diese Hemmungen plötzlich fallen. Sparen lohnt sich nicht mehr. Wild Geld verpulvern, einfach mal ... ja ... einfach mal leben. Es gibt das Jetzt, und dieses schmeckt je süsser, desto mehr Leute es zusammen mit einem feiern. Deshalb: alle einladen. Morgen ist morgen. Aber das interessiert heute keinen.

Hier können wir uns doch eine Scheibe abschneiden von denen, die wissen, wie Leben geht. In Ländern, in denen die Leute fröhlicher sind als hier, spontan, locker, obwohl sie sogar weniger haben als wir ... dort, ja dort, wo die Leute gar nicht sparen können.

Und plötzlich stellt man fest: Das ist anstrengend, so von der Hand in den Mund zu leben, nur im Jetzt zu leben. Hätten die Leute was zu sparen, so würden sie es wohl tun.

Also sorry, Leute, die Party ist abgesagt, spart weiter, legt euer Vermögen, solange eins da ist, unters Kopfkissen, steckt es in eure Matratzen oder doppelten Böden. Sparen ist ein Privileg, auch ohne Zins.

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