Auszeichnung für «virtuose Brückenschläge»

Peter Schneider, Psychoanalytiker, Satiriker und Autor der wöchentlichen Ratgeber- Kolumne im «Tages-Anzeiger», hat den Preis in Angewandter Psychologie erhalten.

Peter Schneider, Psychologe, Kolummnist Savoir Vivre fotografiert im Restaurant Bodega

Peter Schneider, Psychologe, Kolummnist Savoir Vivre fotografiert im Restaurant Bodega

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«Wissen Sie, was mir Peter Schneider gibt»?, fragte Kantonsratspräsidentin Regula Thalmann-Meyer in ihrem Grusswort, «er gibt mir zu denken.» Radio DRS 3 höre sie nicht, die «SonntagsZeitung» lese sie nicht, dafür sei sie aber ein grosser Fan von Peter Schneiders Beratungskolumnen auf der Leben-Seite im «Tages-Anzeiger». Sie freue sich jeden Mittwoch auf seine «intelligent-witzigen Denkanstösse für uns Normalsterbliche». Denn ein Teil der Denkarbeit bleibe erfrischenderweise stets bei den Ratsuchenden.

Der mit 10'000 Franken dotierte Preis des Schweizerischen Berufsverbandes für Angewandte Psychologie (SBAP) wurde am Donnerstagabend im voll besetzten Vortragssaal des Zürcher Kunsthauses verliehen; er wird seit 2000 alle zwei Jahre vergeben und würdigt herausragende Leistungen im Bereich der Angewandten Psychologie. Preisträger waren zum Beispiel der bekannte Kinderarzt Remo Largo und die Friedensforscherin Evelin Gerda Lindner.

SBAP-Präsidentin Heidi Aeschlimann fasste in ihrer Würdigung die Begründung der Jury folgendermassen zusammen: Peter Schneider gelinge es, virtuose Brückenschläge herzustellen zwischen psychoanalytischer Theorie einerseits und lustvoller Lebensführung andererseits. Er verstehe es vorzüglich, Erkenntnisse und Grundhaltungen der philosophisch untermauerten Psychoanalyse einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Für Amüsement sorgte Laudator und Jury-Mitglied Michael Pfister, indem er sich als Unwissender in Sachen Lob ausgab. Deshalb habe er Peter Schneider vor fünf Wochen inkognito eine Leserfrage zum Thema «Wie lobe ich richtig?» gestellt. Ironie der Geschichte: Am 24. September hat sich der Preisträger selber die Anleitung zu seiner Lobpreisung geschrieben. Pfister hielt sich an Schneiders Ratschläge und lobte unter anderem dessen entkrampfende Art, mit Problemstellungen und schwierigen Themen umzugehen. Er bringe Licht in die verwickelten Perspektiven des Lebens, ohne auf plumpe Rezepte zurückzugreifen. Zudem sei er als selbst deklarierter Genussraucher ein Partisan der Lebenslust.

Die Vernunft vor sich selber schützen

Die grössten Lacher erntete jedoch Schneider in seiner Dankesrede selber: «Geld kann man immer gebrauchen, das hat schon meine Grossmutter gesagt.» Erst jetzt, im fortgeschrittenen Alter, dämmere ihm, dass all seine vielen Tätigkeiten eigentlich im selben Topf gekocht würden, ohne dass dabei ein Eintopf herauskomme. Ansonsten gelte: «Wer Spott anwendet, hilft mit, die Vernunft gegenüber der Verhärtung ihrer selbst zu schützen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2008, 22:29 Uhr

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