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Taugt das «Gefühl» zum Argument?

Vor kurzem habe ich als Kalenderspruch einen Satz von Diedrich Diederichsen gelesen: «Nichts ist so scheusslich wie das Gefühl als Argument.» Finden Sie das auch? C. H.

Liebe Frau H.

Ja. Aber warum eigentlich? Was z. B. ist so falsch daran, wenn dieser Tage selbst vormalige Atomlobbyisten erklären, in der Debatte um die weitere Nutzung der Kernenergie gehe es darum, die «Ängste der Menschen ernst zu nehmen»? Es ist falsch, weil, was einfühlsam klingt, in Wirklichkeit bedeutet: Jetzt wollen wir doch mal die lästigen Fragen nach den Kosten der Atommüll-Endlagerung, nach der Pfuscherei der Betreiberfirmen, nach den unter den Teppich gekehrten Störfällen ausser Acht lassen. Auch wollen wir nicht darüber reden, wie die Risikokosten verstaatlicht und die Gewinne privatisiert werden. Angesichts der Ausmasse der japanischen Katastrophe von Fukushima sind auch «kalte» Fragen zur Verfilzung von Atomindustrie und Politik in Japan völlig geschmacklos. Stattdessen reden wir über «Ängste».

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