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«Stille ist für Manager wie ein kalter Entzug»

Er hält die Psychopathenrate in Chefetagen für sehr hoch und findet, Topmanager sollten keine Kinder haben. Psychiater Christian Peter Dogs im grossen Interview.

Christian Peter Dogs: «Je höher jemand aufsteigt, desto weniger weiss er von seinen Gefühlen.» Foto: Patrick Junker
Christian Peter Dogs: «Je höher jemand aufsteigt, desto weniger weiss er von seinen Gefühlen.» Foto: Patrick Junker

Herr Dogs, vor knapp zwei Wochen hat der Chef einer grossen Schweizer Versicherung Suizid begangen. Was geht Ihnen als Psychiater und Coach von Führungskräften durch den Kopf, wenn Sie eine solche Nachricht lesen?

Ich denke in solchen Fällen: Da hat wieder einer zu lange weggeschaut. Je höher jemand aufsteigt, desto dicker wird sein Fell – und desto weniger weiss er von seinen Gefühlen. Und das, was er wissen könnte, verdrängt er meist aus guten Gründen. Denn der Preis, den die Topmanager für ihre Karriere zahlen, ist enorm. Die meisten verlieren ihre emotionale Identität, existieren als Privatperson gar nicht mehr. Und wer lange Zeit seine Gefühle verleugnet, der tendiert in belastenden Situationen zu Kurzschlussreaktionen. Wer alles dem Erfolg unterordnet, kann mit Niederlagen schlecht umgehen. Viele Manager sind emotionale Krüppel und nehmen gar nicht wahr, welche chronischen Konflikte im Berufs- und vor allem im Privatleben sie mitschleppen. Das ist nicht nur gefährlich für sie selber, sondern auch für die Unternehmen, die sie leiten.

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