Transkinder stellen Schulen vor Probleme

Es gibt zwar nicht mehr Kinder, die ihr biologisches Geschlecht ablehnen, aber es gibt mehr Kinder, die über ihre Gefühle sprechen, sagt eine Expertin.

Transkinder sollten ihre Identität ausleben können: Zwei Teilnehmende der LGBT-Parade in Tschechien. (Symbolbild)

Transkinder sollten ihre Identität ausleben können: Zwei Teilnehmende der LGBT-Parade in Tschechien. (Symbolbild) Bild: Martin Divisek/Keystone

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2009 hat Dagmar Pauli ihre erste Sprechstunde für Transkinder in der Deutschschweiz eröffnet. Seither werde sie immer häufiger aufgesucht, sagt die Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich in der «NZZ am Sonntag». «Die Zahl der bei uns angemeldeten Fälle steigt stark.» Zunehmend würden schon Kindergartenkinder zur Sprechstunde kommen.

Wie Pauli im «SonntagsBlick» ergänzt, liege es aber nicht daran, dass es früher weniger Transkinder gab. «Heutzutage wagen es Kinder und Jugendliche eher, ihre Gefühle auszudrücken.» Auch würden Eltern und Lehrer eher hinhören.

Kinder könnten Suizidgedanken entwickeln

Die steigende Zahl von Transkindern stelle Schulen aber vor Probleme, sagt Heilpädagogin Tanja Martinez zur «NZZ am Sonntag». Martinez, die die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche für das Transgender Network Switzerland leitet, erklärt: «Es gibt Schulen, die in solchen Fällen ganz natürlich auf das Kind eingehen.» Kinder, die ihr wahres Geschlecht jedoch nicht ausleben dürften, «sind unglücklich, werden oft depressiv bis zu suizidal». Im Gegenzug würden Kinder aufblühen, wenn sie ihre Identität ausleben können.

Auch bei den Eltern gebe es Handlungsbedarf. Martinez müsse ihnen Schuldgefühle nehmen. «Ihnen erklären, dass Transidentität eine seltene, aber normale Form von Geschlechtsvarianz ist.»

In der kommenden Woche wird gemäss «SonntagsBlick» das Thema Transkinder an der Pädagogischen Hochschule Zürich diskutiert - mit dem Ziel, Lehrer zu sensibilisieren. (roy)

Erstellt: 05.11.2017, 05:31 Uhr

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