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Die USA führen Krieg mit Drohnen; China, Russland und der IS rüsten auf. Das Töten wird effizienter, aber auch leichter.

Kein Computerspiel, sondern Krieg: Ein US-Drohnenoperateur im Einsatz. Foto: John Moore (Getty Images)
Kein Computerspiel, sondern Krieg: Ein US-Drohnenoperateur im Einsatz. Foto: John Moore (Getty Images)

Hier sassen die Guten am Joystick. Drohnenpiloten der britischen Royal Air Force haben im Osten Syriens eine öffentliche Hinrichtung der Terrorgruppe Islamischer Staat verhindert. Als sie auf ihren Monitoren erkannten, dass zwei Gefangene zu einem Richtplatz geführt wurden, liessen die Operateure ihre Drohne des Typs Reaper eine Hellfire-Rakete abfeuern – nicht auf den IS-Henker, da standen zu viele Zivilisten, aber auf zwei Wächter. Der Effekt: Eine Wache starb, Chaos brach aus, die Exekution wurde gestoppt.

Verteidigungsminister Michael Fallon, diese Woche auf Truppenbesuch im Irak, sähe seine Drohnenlenker gern mit Medaillen dekoriert, auch wenn sie dem Krieg physisch fernblieben: «Es wäre gerecht, wenn alle, die sich im Kampf gegen das Böse unserer Zeit hervortun, die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.»

Doch das Böse unserer Zeit steuert eigene Drohnen. Im eigentlich befreiten Mosul lässt der IS gemäss Korrespondentenberichten regelmässig Sprengsatzflieger auf die Bevölkerung los. Dabei kommen umfunktionierte Spassdrohnen aus dem Onlineversandhaus zum Einsatz. Sicher, im Vergleich zur Feuerkraft der US-Streitkräfte sind das Improvisationen, doch sie machen Angst. Europäische Städte denken vermehrt über Terror aus der Luft nach; die niederländische Polizei etwa richtet Greifvögel zu Drohnenjägern ab.

Drohnenschwärme sind die Zukunft

In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Drohnenkrieg noch immer ein amerikanischer. Unter Barack Obama bauten Militär und der Auslandsgeheimdienst CIA die Drohneneinsätze im Ausland aus. Schossen gesuchte Terroristen und blosse Verdächtige ab – in Pakistan, Afghanistan, aber auch in Mali und Somalia. Immer wieder trafen und treffen sie dabei Zivilisten; Wanderer mit Maultieren, Beisitzer im Strassencafé. 2016 veröffentlichte die Regierung Obama erstmals Zahlen, sprach von 2500 Terroristentötungen und maximal 116 zivilen Opfern zwischen 2009 und 2015. Doch die Zahlen sind fast sicher zu tief; NGOs gehen von bis zu 900 toten Zivilisten aus.

Heute sind die USA nicht mehr allein am Himmel. Auch China, der Iran, die Türkei und Russland rüsten ihre Armeen mit fliegenden Kampfsystemen aus. Russland etwa verwendet Aufklärungsdrohnen in der Ostukraine und will bis zum Jahr 2020 ein Geschwader von Kampfdrohnen aufbauen. Diesen Sommer warben mehrere russische Waffenschmieden mit Prototypen um den Staatsauftrag.

Wer keine eigenen Drohnen baut und aus den USA keine bekommt, bestellt in Israel oder China. Im April wurde bekannt, dass Saudiarabien mindestens 30 waffenfähige Drohnen des Typs Wing Loong II erwirbt. Auch Ägypten und Burma haben Drohnen in China gekauft.

Der Schwarm wird von einer Person gesteuert, hat aber viele Leben, viele Augen.

Chinas eigenes Militär experimentiert derweil mit explosiven Kamikaze-Drohnen – und mit Schwärmen, also Feldern koordiniert fliegender Kleindrohnen. Die sind weniger verwundbar, können schwer gestoppt werden. Der Schwarm wird von einer Person gesteuert, hat aber viele Leben, viele Augen. Auch in den USA ist das Schwarmprojekt Locust bereits weit gediehen.

Dagegen sind die Vorhaben der Schweizer Armee bescheiden. Sie setzt nur unbewaffnete Aufklärungsdrohnen ein; bewaffnete Drohnen sind kein Thema. Im Moment fliegen 15 Ranger-Drohnen aus dem Hause Ruag, doch bis 2020 werden die ersetzt durch sechs allwettertaugliche israelische Drohnen des Typs Hermes 900 HFE. Das kostet die Schweiz eine Viertelmilliarde Franken. Zum Einsatz kommen die Flieger vornehmlich im Grenzgebiet: Wenn im Tessin Schmuggler, Schlepper, Einbrecherbanden durch den Wald kommen, sollen wir das sehen.

Die internationale Verbreitung von Kampfdrohnen kann man begrüssen: weniger Kollateralschäden, weniger Soldatengräber. Aber Menschenrechtler warnen vor einer neuen Leichtigkeit des Tötens, «bugsplat» nennen es die Joystick-Piloten der USA, Käfer klatschen. Die Distanz verroht. Die UNO fordert internationale Normen zum Gebrauch von Kampfdrohnen.

Verlierer der Aufrüstung sind die Armen: Migranten, geduckt im Visier einer Grenzschutzdrohne, Stammesgesellschaften im pakistanischen Hochland, wo eine Generation in Angst vor dem surrenden Tod aufwächst, wie Ethnologen dokumentieren. Unsichtbare Krieger? An ihnen haften keine Medaillen.

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