Väter, macht endlich euer Ding!

Mütter sollen ihre dominante Rolle in der Kinderbetreuung loslassen, heisst es. Stimmt! Aber: Väter müssen ihr Familienglück auch selber schmieden.

Geht doch: Vater und Sohn beim Skateboardausflug. Foto: Aleksandar Nakic (Getty Images)

Geht doch: Vater und Sohn beim Skateboardausflug. Foto: Aleksandar Nakic (Getty Images)

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Seit Jahrzehnten verlangen die Mütter von den Vätern, dass sie sich mehr im Haushalt und an der Kindererziehung beteiligen. Seit Jahren predigen Erzieherinnen, auf welche Weise sie das tun sollen. Und jüngst will ein Soziologe nachgewiesen haben, dass die Väter, die den neuen Auftrag untertänigst befolgen – also Teilzeit arbeiten, Windeln wechseln, Klötzli spielen –, unglücklich sind. Weniger glücklich jedenfalls als jene, die ihren Geldverdiener-Status behielten und den Kinderbetrieb der Mutter überlassen.

Die Forderung kam zu Recht. Die Schlüsse aber, die manche aus dem soziologischen Befund ziehen, sind kreuzfalsch. Selbst im feministischen Zeitalter ist jeder (jede erst recht) seines Glücks eigener Schmied. Wenn also die neuen Teilzeitväter so unglücklich sind, liegt es womöglich weniger am verlorenen Arbeitshelden-Status, sondern mehr am gescheiterten Unterfangen, die einseitig femininen Erwartungen der Partnerinnen zu befriedigen.

Zu viele Türstehermütter

Wo die Elternemanzipation stockt, dafür lieferte uns die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm gestern einen Hinweis: Es gebe immer noch zu viele Türstehermütter, welche die Väter, wenn sie einmal dran wären am Kind, gar nicht richtig ranlassen, sagt sie im Interview mit dieser Zeitung über ihr neues, erfrischend provokatives Buch «Neue Väter brauchen neue Mütter». Recht hat sie! Aber das ist noch nicht alles. Würden die Mütter endlich lernen, loszulassen, wie Stamm fordert, würde das allein das Problem noch nicht lösen, dass immer noch zu wenig Väter es wagen, überhaupt in die Betreuung der eigenen Kinder einzusteigen. Die Mütter müssen noch mehr tun als das. Und die Väter? Noch viel mehr.

Wie Stamm richtig bemerkt: Es geht nicht nur ums Vaterwerden während ein paar Wochen Vaterschaftsurlaub oder Feierabenden und Wochenenden, welche die Mutter im Kino oder im Wellness verbringt. Es geht ums Vatersein.

Ein guter neuer Vater vertritt nicht nur die gute alte Mutter. Er konzentriert sich nicht ausschliesslich darauf, die To-do-Listen seiner Partnerin abzuarbeiten. Ein neuer Vater erfindet eigene Rezepte und probiert sie aus. Dass viele Mütter dies kaum zulassen, macht wohl nicht wenige Papis unglücklich oder scheucht sie wieder in die vermeintlich seliger machende Versorgerrolle zurück.

Das Kind ohne die Mutter managen

Dabei wäre – ist man einmal Vater geworden – der Weg zum Glück nicht lang: Er beginnt beim ersten Kontakt, bei dem der Vater das erste Lebewesen ausserhalb der bereits seit neun Monaten vertrauten Mutterwelt sein kann – stellvertretend für alle weiteren. Die am Geburtstag beginnende Vater-Kind-Beziehung wird sinnstiftend, wenn es dem Vater zum ersten Mal gelingt, ein paar Tage nach seinem eigenen Plan, ohne die Mutter, mit den Kindern zu managen. Und immer sinniger, je länger und je öfter er dies tut.

Wenn, wie in jeder zweiten Familie, die Partnerschaft der Eltern zerbricht, wird das Verhältnis zum Kind nicht nur für Mamis, sondern im gleichen Masse für Papis sogar überlebenswichtig. Und in jeder Familie wird es das, wenn die Eltern älter und die konstruktiven, sinnstiftenden Bindungen rarer werden.

Den Arbeitsstatus müssen die allermeisten ein paar Jahre nach der Lebensmitte ersatzlos abgeben. Den Vaterstatus können sie auf ewig behalten. Im Gegensatz zur Mutter wohl aber nur, wenn sie als Vater von Anfang an versucht haben, mit den Kindern auch ihr eigenes Ding zu machen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2018, 21:30 Uhr

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