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Vernebelt euch!

Der ständigen Überwachung entkommt man nicht mehr. Aber man kann sie gezielt verwirren.

In der Schweiz ist es noch nicht so schlimm wie in Grossbritannien. Aber das könnte es werden. Überwachungskamera in Liestal. Foto: Roland Schmid
In der Schweiz ist es noch nicht so schlimm wie in Grossbritannien. Aber das könnte es werden. Überwachungskamera in Liestal. Foto: Roland Schmid

Zehn Millionen Überwachungskameras gibt es in Grossbritannien gemäss Schätzungen, eine für jeden sechsten Einwohner. Um Erlaubnis fragt dabei niemand. Der Überwachung durch «Opting out» zu entgehen, sei in­zwischen nur noch ein Mythos, schreiben deshalb Finn Brunton und Helen Nissenbaum. «Man betrachte einen Tag im Leben einer ziemlich ge­wöhnlichen Person in einer grösseren Stadt in einem stabilen Staat mit demokratischer Regierung. Sie be­findet sich weder im Gefängnis noch in einer Anstalt, ist weder ein Dis­sident noch ein Staatsfeind. Und trotzdem lebt sie in einem Zustand von permanenter und totaler Über­wachung, beispiellos in ihrer Präzision und Intimität.»

Die beiden amerikanischen Professoren für Medien und Computerwissenschaften werben deshalb für die sogenannte Obfuskation. Gemeint ist die «Vernebelung». Wenn man dem Zugriff des Überwachungskapitalismus schon nicht mehr entkommt, dann solle man wenigstens sein Bestes geben, um dessen perfide Maschinerie zu sabotieren.

Die Mittel und Wege dazu befinden sich irgendwo zwischen Aktionskunst und zivilem Ungehorsam. «Adversa­rial Fashion» nennt die Designerin Kate Rose etwa eine Reihe von selbst entworfenen Klamotten mit eigen­willigen Mustern, die dafür sorgen sollen, dass automatische Systeme in die Irre geführt werden.

Das Prinzip funktioniert auch online. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Browsererweiterungen, die nichts anderes tun, als Datenmüll zu er­zeugen. «Gorando» ist ein kleines Programm, das auf Facebook willkürlich Emojis auswählt, um die Emotionsanalyse des Netzwerks zu verwirren. «Adnauseam» klickt per Zufall auf Pop-up-Anzeigen und Werbebanner. «Trackmenot» gibt unsinnige Fragen in die gängigen Suchmaschinen ein. Die Programme haben das gleiche Ziel: Den Daten sammelnden Unternehmen soll es so schwer wie möglich gemacht werden, aussagekräftige und damit vermarktbare Nutzerprofile anzulegen.

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