Zum Hauptinhalt springen

Von Hunden, Abschaum und Feuerhydranten

Der US-Präsident beschimpft eine schwarze Ex-Mitarbeiterin, eine junge Frau keilt zurück gegen weisse Rassisten. Ist beides Rassismus?

Donald Trump entliess Omarosa Manigault (r.) im Dezember 2017. Foto: Reuters
Donald Trump entliess Omarosa Manigault (r.) im Dezember 2017. Foto: Reuters

«That Dog», «diese Hündin»: Die Beleidigung hat es letzthin zum Topthema gebracht. Sie steht in einem Tweet des US-Präsidenten, in dem er seine ehemalige Mitarbeiterin ­Omarosa Onee Manigault-Newman heruntermacht, eine Schwarze. Sie sei «Abschaum», «verrückt», «bösartig, aber nicht smart»: Trump kann seine Wut über Manigault, die jüngst ein unschmeichelhaftes Buch über ihre Zeit im Weissen Haus veröffentlichte, kaum zügeln. Nun philosophiert alle Welt, ob damit endgültig der Beweis für Trumps Rassismus und Frauenfeindlichkeit erbracht sei.

Aber wie diagnostiziert man das zweifelsfrei? Kann die Regel gelten: An ihren Tweets sollt ihr sie erkennen? Auch darüber streitet man derzeit heftig: Denn die «New York Times» hat eine Autorin an Bord geholt, die ­perfekt ins «Diversity»-Profil passt, aber nicht nur über pinke Haare, eine Geburt in Südkorea, den Jahrgang 1988 und einen Abschluss der Harvard Law School verfügt, sondern über einen arg schnellen Twitterdaumen. Sobald Sarah Jeongs Anstellung bekannt wurde, gruben rechte Kreise problematische Tweets von ihr aus, datiert zwischen 2013 und 2015.

Etwa: «Weisse haben aufgehört, sich fortzupflanzen. Bald werdet ihr aus­gestorben sein. Das war von Anfang an mein Plan.» Oder: «Es ist irgendwie krank, wie viel Freude ich daran habe, grausam zu alten, weissen Männern zu sein.» Jeong verbreitete den Hashtag «Cancel White People», verglich sie mit – Hunden! «Dumpf­backige Scheiss-Weisse markieren im Internet mit ihren Meinungen herum wie Hunde, die auf Feuerhydranten pissen.»

Redaktorin entschuldigt sich für Tweets

Da wurde von rechts die «Reverse Racism»-Keule ausgepackt, die Klage, dass mittlerweile die Weissen diskriminiert werden, und Jeongs Entlassung gefordert. Man warf der Zeitung Doppelmoral vor, zumal sie von der Anstellung einer anderen Frau wegen deren gay-feindlichen Tweets absah. Aber sie behält ihre neue Redaktorin, die versiert ist in Sachen Internet­kultur und Rechtsverletzungen im Netz. 2015 verfasste Jeong über Belästigung im Netz das Buch «The Internet of Garbage» («Das Internet des Mülls»), berichtete auch von krassen eigenen Erfahrungen. Für die alten Tweets hat sie sich entschuldigt. Sie seien eine Parodie brutaler Tweet-Angriffe auf ihre Person, seien Satire und Gegen-Trolling: ein fehlgeschlagener Scherz mit den Waffen der Angreifer.

Rassistisch sind immer die anderen? So einfach ist es nicht. Es ist nicht das Gleiche, ob die Repräsentanten der – nun mal weissen, männlichen – Macht von unten her angegriffen werden, mit den Mitteln eines auch kruden Witzes und der überdrehten Beleidigung. Oder ob eben diese Herren von oben herab Minderheiten demütigen, am Fortkommen hindern.

Die lesbische Fresse polieren

Der mächtigste Mann der Welt kann nicht eine frühere Mitarbeiterin, eine schwarze Frau, in Grund und Boden stampfen. Zudem fanden Trumps ins Rassistische und Misogyne lappenden, komplett ironiefreien Ausfälle über die Jahre ja keineswegs nur im Spontanmedium Twitter statt.

Sarah Jeong dagegen war eine sehr junge Frau, als man ihr im Netz etwa gedroht hatte, man werde ihr die lesbische Fresse polieren – worauf sie rüd-satirisch reagiert hatte, in nur scheinbar gleichem Ton; im gleichen flotten Medium. Sie hats seit Jahren nicht mehr getan. Liebe «New York Times»: Gute Wahl!

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch