Wann Lärmklage erheben?

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Auch im Film «Bad Neigbors» mit Zac Efron und Seth Rogen gehts um unterschiedliche Auffassungen von Lärm.

Auch im Film «Bad Neigbors» mit Zac Efron und Seth Rogen gehts um unterschiedliche Auffassungen von Lärm. Bild: PD

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Danke, auf diese Frage habe ich gewartet. Vielleicht liegt das daran, dass ich einmal eine Nachbarin hatte, die mir immer wieder den Motz-Klassiker um die Ohren haute: «Sie sind nicht alleine auf der Welt.» Nicht, weil ich die ganze Nacht auf Anfängerniveau Geige spielen würde, sondern wegen Hundelärms oder Kinderlärms, der eine Minute nach der Nachtruhe nicht abgestellt war. Als ob man Kinderlärm einfach abstellen kann! Überhaupt: «Kinderlärm» – gehts noch bürokratisch-herzloser?

Aber bleiben wir sachlich, schauen wir uns die Rechtslage an. Im Obligationenrecht steht, dass von Nachbarn allgemein ein korrektes und anständiges Verhalten erwartet werden darf. Wo aber die Grenze zur Rücksichtslosigkeit be­ginnt, sagt das Gesetz nicht. Konkreter gefasst sind Polizei- und Gemeindeverordnungen, die Ruhezeiten definieren. Darin steht unter anderem, dass Baden, lautes Feiern, Musizieren oder Tragen von Schuhwerk mit hohem Absatz während der Nachtruhe (22–7 Uhr) verboten ist.

Doch was ist laut? Wie stehts mit Duschen? Wie hoch dürfen die Absätze sein? Das ist natürlich nicht geregelt, womit man wieder gleich weit ist wie zuvor. Bonmots wie «Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden» oder «Erlaubt ist, was nicht stört» täuschen nicht darüber hinweg, dass die einen Spass, die anderen ihre Ruhe haben wollen.

Hier deshalb mein eigener Gesetzesentwurf, basierend auf persönlichen Erfahrungen:

  • Kinderlärm ist zu tolerieren. Wir alle waren mal Kinder, ohne Kinder stirbt die Menschheit aus und sowieso: Dass Kinder länger als 22 Uhr laut sind, ist äusserst selten der Fall.
  • Partylärm ist zu tolerieren, wenn die Veranstalter rechtzeitig und höflich auf ihren Anlass aufmerksam gemacht haben und sich Letzterer nicht zu einer Partyreihe ausweitet. Dass man sporadisch zu Oropax greift und nachts die Fenster schliesst, ist selbstverständlich.
  • Badegeräusche sind zu akzeptieren, das abfliessende Wasser hat eher eine beruhigende Wirkung als eine enervierende.
  • Das Knarren von Altbauböden ist zu akzeptieren – sonst bitte in einen Neubau umziehen.
  • Der Lärm einer Bar im Erdgeschoss ist zu akzeptieren – sonst bitte in eine ruhigere Gegend umziehen.

Zum Schluss noch ein Denkanstoss vom Vulkanier Spock aus «Star Trek»: «Das Wohl von vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von wenigen.» Da die Vulkanier im Unterschied zu Menschen nicht emotional, sondern streng logisch denken, ist das eine prima Faustregel bei Lärmdiskussionen.

Erstellt: 26.07.2019, 19:27 Uhr

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