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Wenn die Eltern plötzlich hilflos sind

Was tun, wenn Vater und Mutter nicht mehr für sich sorgen können? SRF-Dok begleitet drei Töchter, verpasst aber zu viele spannende Themen.

Von einer Minute auf die nächste erleidet Theres Vosers Vater einen Schlaganfall und stürzt dabei so schwer, dass er vorerst nicht mehr für sich sorgen kann. Was nun?

Gery Hubers 95-jähriger Vater wäre fast an einer schweren Infektion gestorben und sollte nun an der Hüfte operiert werden, um wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. In letzter Minute raten die Ärzte aber dringend davon ab. Wo soll er nun hin? Wird er jemals wieder zurück in seine Wohnung können?

Regula Borners Mutter ist tagsüber oft allein. Noch kann die bald 90-Jährige allein wohnen. Aber was, wenn dies nicht mehr möglich ist und die Finanzen für ein Heim nicht reichen? Der jüngste SRF-Dok «Von Sorge und Fürsorge – wenn die Eltern alt werden» begleitet drei Frauen, die sich um ihre betagten Eltern kümmern.

Jede zweite Person über 45 betreut Angehörige

Es ist eines der dringendsten Themen der näheren Zukunft: Wer kümmert sich um unsere Väter, Tanten, Nachbarinnen, die nicht mehr allein für sich sorgen können? Schon heute betreut in der Schweiz jede zweite Person über 45 regelmässig Angehörige, meistens handelt es sich dabei um die eigenen Eltern. Und fast immer sind es die Töchter, die den Grossteil der Aufgaben übernehmen.

Was das konkret bedeutet, kann man sich nur schwer vorstellen. Meist werden die Väter und Mütter schleichend hilfsbedürftiger, oft geht es aber auch von heute auf morgen nicht mehr so weiter wie bisher. Die SRF-Doku schafft es, solche Momente einzufangen, mit denen Angehörige von Betagten immer wieder konfrontiert sind: Plötzlich ist alles anders, und man muss sich schnell auf die neuen Umstände einstellen und Lösungen suchen.

«Würden Sie Ihren Vater zu sich nehmen, wenn er nicht mehr allein leben könnte?» – «Nein.»

So wie Gery Huber, als sie kurz vor der geplanten Operation erfährt, dass das Risiko für ihren Vater zu hoch ist. «Das ist ein Hammer», sagt sie. Bis der 95-Jährige notfallmässig ins Spital eingeliefert werden musste, hatte er allein gelebt und selbstständig für sich sorgen können. Huber war einmal pro Woche von Solothurn zu ihm nach Zürich gefahren. «Würden Sie ihn zu sich nehmen, wenn er nicht mehr allein leben könnte?», fragt der Reporter. «Nein, das wäre eine klare Überforderung», antwortet Gery Huber ehrlich.

Sollen Eltern ihre Kinder bezahlen?

Ist man verpflichtet, sich um seine Eltern zu kümmern? Wie selbstlos muss man dabei sein? Kann man etwas dafür verlangen? Das sind die unangenehmen Fragen, die bei diesem Thema in der Luft hängen. Gery Huber ist auch hier ehrlich: Sie sei der Meinung, dass jeder für seinen Betreuungsaufwand entschädigt werden solle. Sie und ihre beiden Brüder hätten mit ihrem Vater ausgemacht, dass er für ihre Spesen aufkommt.

Damit spricht Huber ein spannendes Thema an. Der Reporter lässt die Chance jedoch verstreichen, näher darauf einzugehen. Auch sonst bleibt seine Doku an der Oberfläche. Er ist zwar dabei, wenn die Spitex kommt, wenn die Töchter die Betten ihrer Eltern beziehen, Staub saugen, Laub wischen und ihren Vätern etwas zu essen bringen. Aber wie gross der Betreuungsaufwand ist, wenn der Staub, das Laub und die Spitex weg sind, lässt sich nur erahnen.

Vieles bleibt oberflächlich

Der Reporter fragt nicht nach, wie sich die Aufgaben auf den Alltag der drei Frauen auswirken, die teilweise noch berufstätig sind und eigene Familien haben, selber aber auch nicht mehr die Jüngsten sind. Was es für die Beziehung unter den Geschwistern bedeutet, wenn die meiste Arbeit an der Schwester hängen bleibt. Und was die Eltern dazu sagen, dass sie auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind, sagt uns die Doku nur am Rande. Auch die gesellschaftliche Einordnung fehlt.

Dafür erfahren wir im Film, dass der Reporter vor rund einem Jahr Vater eines Sohnes geworden ist und sich fragt: Wird sich dieser um mich kümmern, wenn ich alt bin und Hilfe brauche? Das ist aber eine andere Perspektive – weg von den pflegenden Kindern hin zu den umsorgten Eltern. Das Resultat wirkt ein bisschen so, als hätte sich der Reporter zu sehr davon leiten lassen, statt sich wirklich in die drei Protagonistinnen einzufühlen.

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