Wie auf Anmache reagieren?

Die Antwort auf eine Stilfrage zum Thema Sexismus im (Fasnachts-)Alltag.

Uncharmante Männer befinden sich auf der femininen Beliebtheitsskala dramatisch weit unten: Kindische Fasnächtler anno 2009. Foto: Chris Schaer (Flickr)

Uncharmante Männer befinden sich auf der femininen Beliebtheitsskala dramatisch weit unten: Kindische Fasnächtler anno 2009. Foto: Chris Schaer (Flickr)

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Hiermit möchte ich dazu beitragen, ein gesellschaftliches Tabu zu brechen. Als ich (w., 31) kürzlich an der Fasnacht war, passierte es einmal mehr: Zwei angetrunkene Männer, die ich nicht kannte, machten mir gegenüber sexistische Aussagen. Das fand ich unangebracht. Ich konterte mit einem ironischen Spruch, bevor ich den Tatort gemeinsam mit meinen Freundinnen verliess. Nun bin ich ratlos: Wäre es stilvoller gewesen, die Situation stillschweigend hinzunehmen? Oder zeugt es von Charakter, wenn sich die Frau zur Wehr setzt? Welche Rolle spielt hierbei der Humor? Und: Welche konkrete Reaktion können Sie mir empfehlen?
A. R.

Liebe Frau R.,
wir sind hier in dieser unserer kleinen Rubrik total für das Brechen von Tabus, ja, wir sind nachgerade tabulos. Es ist bei uns wie beim Therapeuten, wir reden über alles, und niemand wird verurteilt (mit der Ausnahme von Messerabschleckern, stimmt, aber auch die haben wir letztlich gern, irgendwie).

Aber jetzt: Was machen Sie denn an der Fasnacht, Frau R.? War vielleicht Ihr Kostüm ein wenig knapp? Haben Sie es nicht genau darauf angelegt? Hmm? Hat es Ihnen eventuell nicht doch gefallen? Oder sind Sie nicht einfach weiblich überempfindlich? Wäre Ihnen lieber, man würde Sie gar nicht bemerken? Hä?

Es gibt ihn immer noch, den vorab männlichen Mitmenschen, der solches Zeug fragt. Er redet überhaupt viel lieber darüber als über den Vorfall an sich, weshalb wir hier einmal mehr festhalten wollen, dass das alles keine Rolle spielt. Ein sexistischer Spruch zeichnet sich, unabhängig von Kleidung und Örtlichkeit, immer nur durch eines aus: die vollkommene Abwesenheit von Charme. Und uncharmante Männer, ich kann es jetzt leider auch nicht schonender formulieren, befinden sich auf der femininen Beliebtheitsskala dramatisch weit unten, also sie nehmen sozusagen die Schlusslichtposition ein.

Ein sexistischer Spruch zeichnet sich nur durch eines aus: die Abwesenheit von Charme.

Mich dünkt, dass Sie das genau richtig gemacht haben. Der ironische Konter ist überaus elegant, wobei die Sache mit der Ironie leider problematisch ist, sie wird ja in der Regel nicht verstanden (Abwesenheit von Charme ist stets gekoppelt mit der Abwesenheit von Feinsinn). Aber das macht nichts. Stillschweigend hinnehmen sollte man das nicht, sich allzu sehr empören allerdings auch nicht. Ein sexistischer Spruch macht ja vor allem müde. Weil er langweilig ist und wenig geistreich (die Abwesenheit von Kreativität kommt noch hinzu, fällt mir grad ein), und deshalb rutscht mir meist nur eines raus: Gähn.
Bettina Weber


Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2017, 08:55 Uhr

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