Wie Glück und Zuwanderung zusammenhängen

Der neue Weltglücksreport misst diesmal auch die Zufriedenheit von Immigranten. Wo die Schweiz in den Ranglisten steht.

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Die Finnen also! Kein Volk der Welt ist glücklicher als diese Nordländer mit ihren langen, dunklen Wintern. Die zweitglücklichsten sind die Norweger, die im letzten Jahr gewonnen hatten, dann kommen die Dänen, die Isländer und die Schweizer. Die Finnen gewinnen gar «Doppelgold», wie die Forscher das nennen, die seit sechs Jahren den «World Happiness Report» herausgeben und sich für ihre Rangliste neben dem Pro-Kopf-­Einkommen und der Lebenserwartung auch Kriterien wie Freiheitsgefühl, gesellschaftliche Grossherzigkeit und Wahr­nehmung der Korruption anschauen.

Das zweite Gold verdienen sich die Finnen, weil bei ihnen auch die zugewanderten Menschen am glücklichsten sind, wie die Umfragen zeigen. «Da gibt es eine ganz starke Korrelation», sagte der kanadische Ökonom John F. Helliwell bei der Vorstellung des Berichts im schönen Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in den Gärten des Vatikans. Das habe man in fast allen der 117 Länder beobachten können, aus denen es genügend Daten für eine Auswertung gab. «Obschon die Migranten aus Ländern mit sehr unterschiedlichen Glücksniveaus kommen, empfinden sie ihr Wohlbefinden am neuen Ort sehr ähnlich wie die ansässige Bevölkerung», sagte Helliwell. In den Top Ten beider Rankings findet man mehr oder weniger dieselben Länder.

Glück generiert Glück

Das klingt zunächst recht banal: Wo es den Menschen gut geht, geht es tendenziell auch denen gut, die neu dazukommen. Glück generiert Glück und hilft bei der Integration. Die Skandinavier machen aber offensichtlich einiges besser als andere.

Joachim von Braun, der Präsident der Päpstlichen Akademie, wollte diese Erkenntnis als Beweis dafür verstehen, dass die Zuwanderung nicht am Glücksgefühl einer Gemeinschaft zehre. Manche politischen Parteien, die gerade viel Erfolg haben, propagieren ja gern recht pauschal das Gegenteil. In der Schweiz übrigens klafft das allgemeine Glücksempfinden der Bevölkerung und jenes der Eingewanderten schon etwas auseinander: Rang 9.

Die Emirate wollen unter die Top 5

Auf die Idee mit dem «Happiness»-Weltbericht kam US-Wirtschaftswissenschaftler Jeffrey Sachs einst bei einer Reise nach Bhutan. Im kleinen südasiatischen Königreich vertrauen sie schon länger auf das emotional umfassendere, etwas esoterischere «Bruttonationalglück»; es gilt ihnen als präziser als das Bruttosozialprodukt.

Sachs und seine Forscher reisten kürzlich in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort gibt es neuerdings einen Staatsminister für Happiness. Sein Ziel ist es, die Emirate in kurzer Zeit in die Top Five zu bringen, mitten unter die Skandinavier.

Erstellt: 15.03.2018, 13:54 Uhr

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