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Wie man spurlos verschwindet

Der ehemalige Privatdetektiv Frank Ahearn spürte einst Monica Lewinsky auf. Heute hilft er Personen, die nicht mehr gefunden werden wollen – ob physisch oder nur im Internet.

Hat zwei Bücher über seine Arbeit geschrieben: Frank Ahearn auf dem Buchcover seines Buches «The Digital Hit Man».
Hat zwei Bücher über seine Arbeit geschrieben: Frank Ahearn auf dem Buchcover seines Buches «The Digital Hit Man».

«Die meisten Personen kann ich überall aufspüren», behauptet Frank Ahearn von sich selber. Gefunden hat er beispielsweise Monica Lewinsky, damals als der amerikanische Präsident Bill Clinton fast im Skandal um die sexuelle Beziehung zu seiner ehemaligen Praktikantin versank. Nach wenig lechzten die Boulevardmedien mehr, als nach der Postadresse von Monica Lewinsky. Frank Ahearn lieferte: Er fand die Adresse heraus und überprüfte sie, indem er sich als Paketbote verkleidete und mit einem vermeintlich unzustellbaren Paket bei Lewinsky klingelte. In einem Interview mit der «Financial Times Deutschland» gibt Ahearn nun Einblick in seine heutige Tätigkeit. Er findet nämlich nicht mehr – er lässt verschwinden.

Falsche Fährten legen

An Ahearns Türe klopft, wer gesucht wird und um Geld oder Leben fürchtet – sei es vom Staat, von Gläubigern oder von Verbrechern. Mit Kriminellen arbeite er aber nicht zusammen, sagt Ahearn, 99 Prozent der Anfragen lehne er ab. Zwielichtige Gestalten erkennt er nach eigenen Angaben daran, dass diese gleich um Rat fragen würden, wogegen Personen mit «legitimen Anfragen» zuerst ihr Problem schildern würden. Legitim ist es für Ahearn beispielsweise, wenn ein Staatsanwalt aus Angst vor einem Racheakt eines verurteilten Verbrechers untertauchen will.

Aufschlussreich ist Ahearns Methode, um Personen verschwinden zu lassen. Im Vordergrund steht immer die Täuschung. Er versucht, möglichst glaubwürdige falsche Spuren zu streuen. Dazu eröffne er beispielsweise in Slowenien ein Bankkonto auf den Namen des Betroffenen: «Privatdetektive sollen und werden diese Informationen aufspüren und werden dadurch auf falsche Fährten gebracht.»

Digitales Verschleiern

Im Internet arbeitet Ahearn ähnlich, schliesslich finden sich heute von äusserst vielen Menschen öffentlich einsehbare Spuren im Internet. Ahearns Rezept dagegen ist gezielte Desinformation. Er erstellt Hunderte von gefälschten Internetseiten und Einträgen in sozialen Netzwerken – so, dass die richtigen Einträge untergehen.

Einmal untertauchen kostet bei Ahearn 12'000 bis 30'000 Franken. Seit 2011 hätten davon rund hundert Personen Gebrauch gemacht, sagte Ahearn im Gespräch mit der «Financial Times Deutschland». Sich selber liess Ahearn offensichtlich noch nicht verschwinden – obwohl er 2010 der New Yorker «Daily News» erklärt hatte, er sehe sich nur noch etwa ein Jahr in diesem Geschäft.

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